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Schwangerschaftsvergiftung - Lebensgefahr für Mutter & Kind

Schwangerschaftsvergiftung - Lebensgefahr für Mutter & Kind

Die Schwangerschaftsvergiftung ist eine gefährliche Erkrankung, die sowohl im ersten als auch im letzten Drittel der Schwangerschaft auftreten kann. Sie wird mit dem medizinischen Fachbegriff Gestose synonymisiert. Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Schmerzen im rechten Oberbauch treten im Zusammenschluss auf und sind die Leitsymptome einer Gestose. Rechtzeitig erkannt kann sie medikamentös behandelt werden. Allerdings besteht bei der Erkrankung (vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel) immer eine Lebensgefahr für Mutter & Kind.

In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Was ist eine Schwangerschaftsvergiftung bzw. Gestose?
  2. Symptome und Beschwerden einer Schwangerschaftsvergiftung
  3. Ursachen einer Gestose
  4. Medikamentöse Behandlungsmethoden
  5. Alternative Behandlungsmöglichkeiten
  6. Folgeerkrankungen einer Schwangerschaftsvergiftung
  7. Spätfolgen bei Nichtbehandlung bzw. zu später Behandlung
  8. Einer Gestose vorbeugen
  9. Lebensgefahr für Mutter & Kind bei fortbestehender Schwangerschaft

Die Gestose ist ein Oberbegriff für mehrere Erkrankungen

Noch vor einigen Jahrzehnten ging man davon aus, dass das ungeborene Kind Giftstoffe im Körper der Mutter freisetzt, weswegen sich der Begriff der Schwangerschaftsvergiftung etablierte. Tatsächlich ist die Gestose jedoch ein Oberbegriff, der zahlreiche Erkrankungen während der Schwangerschaft beinhaltet. Dennoch spricht man auch heute noch von einer Schwangerschaftsvergiftung, wenn werdende Mütter beispielsweise unter

  • akutem Bluthochdruck,
  • starken Kopfschmerzen,
  • Nierenerkrankungen oder
  • plötzlichen Schmerzen im rechten Oberbauch leiden.

Die Schwangerschaftsvergiftung ist in erster Linie gefährlich bis lebensbedrohlich für das ungeborene Kind, kann aber bei falscher oder fehlender Behandlung auch der werdenden Mutter gefährlich werden.

Gestose geht mit enormem Bluthochdruck einher

Obwohl sie in seltenen Fällen bereits im ersten Drittel der Schwangerschaft auftritt, sind in den meisten Fällen werdende Mütter im letzten Schwangerschaftsdrittel betroffen. Im zweiten Drittel der Schwangerschaft entsteht eine Gestose in der Regel nicht, die Gründe hierfür sind bislang unbekannt. Die Gestose muss in folgende Erscheinungsformen eingeteilt werden:

  • Propfgestose, hierbei bestand bereits vor der Schwangerschaft ein chronischer Bluthochdruck, der während der Schwangerschaft weiter ansteigt. Zusätzlich scheiden Betroffene vermehrt Eiweiß über den Urin aus.
  • Schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck, hierbei steigt der Blutdruck erst im letzten Drittel der Schwangerschaft gefährlich hoch an.
  • Eklampsie, hierbei leidet die Schwangere unter Krampfanfällen und Ohnmacht während der Schwangerschaft.
  • Präeklampsie, hierbei leidet die Betroffene ebenfalls unter viel zu hohem Blutdruck, darüber hinaus bilden sich Wassereinlagerungen in Händen, Füßen und im Gesicht.
  • HELLP-Syndrom, hierbei zerfallen Blutzellen, die Leberwerte steigen und die roten Blutkörperchen werden nicht mehr ausreichend gebildet.

Mehr Spätgestosen bei Schwangeren zu verzeichnen

Aufgrund der Vielzahl gefährlicher Symptome muss beim Verdacht auf eine Schwangerschaftsvergiftung also immer genau untersucht und diagnostiziert werden, um Mutter und Kind sicher durch die Schwangerschaft zu bringen. Spätgestosen, die nach der 28. Schwangerschaftswoche entstehen und typischerweise ausschließlich mit erhöhtem Blutdruck, Wasseransammlungen und Proteinurie, also Eiweißausscheidungen im Urin einhergehen, treten in etwa bei 60 bis 80 Prozent der Schwangerschaften auf. Lebensbedrohliche, frühzeitige Gestosen sind deutlich seltener, darunter leiden nur etwa zwei von 300 Schwangeren.

Symptome und Beschwerden: Eine Schwangerschaftsvergiftung sicher erkennen

Die Leitsymptome jeder Schwangerschaftsvergiftung sind:

  • starker Bluthochdruck (der mindestens den Wert von 140/90 erreicht)
  • starke, migräneartige Kopfschmerzen und Sehstörungen
  • Schmerzen im rechten Oberbauch (was auf eine beginnende Lebererkrankung oder eine Schwellung der Leberkapsel hinweisen kann)

Dem sogenannten Leberkapselschmerz folgen dann in der Regel weitere Symptome, die auf eine Schwangerschaftsvergiftung deuten:

  • erhöhte Leberblutwerte und Nierenblutwerte
  • Eiweißausscheidungen im Urin
  • Ödeme (Wasseransammlungen) in Händen, Füßen und im Gesicht
  • Übelkeit und Erbrechen im letzten Schwangerschaftsdrittel

Ursachen der Schwangerschaftsvergiftung bisher unklar

Die Ursachen der Schwangerschaftsvergiftung sind bis heute weitgehend unklar:

  • Klar ist jedoch, dass nicht das ungeborene Kind Giftstoffe an die Mutter abgibt, sondern vielmehr die Plazenta im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft für sämtliche Formen der Gestose verantwortlich ist.
  • Mediziner und Forscher nehmen an, dass die Plazenta Signale an den Körper sendet, die den Blutdruck der Schwangeren in die Höhe schnellen lassen.
  • Verschiedene Erklärungsansätze sehen die Zahl und Funktion der Trophoblasten gestört, sodass der Blutdruck aufgrund fehlerhafter Zellen steigt.
  • Außerdem stehen die Blutgefäße werdender Mütter in Verdacht, zu Verengungen und Verkrampfungen zu neigen, auch in diesem Fall steigt der Blutdruck ruckartig an.

Anpassungsstörung des Körpers als Erklärungsmodell

Da bislang jedoch kein Erklärungsmodell als sichere Ursache der Schwangerschaftsvergiftung belegt wurde, gehen Mediziner einfach von einer Anpassungsstörung des Körpers der Mutter aus, der die zahlreichen Anforderungen, die eine Schwangerschaft an den Körper stellt, nur unzureichend bewältigen kann. Fakt ist jedoch, dass Erkrankungen, die bereits vor der Schwangerschaft bestanden, das Gestoserisiko zusätzlich erhöhen.

Eine leichte Gestose lässt sich medikamentös behandeln

Die Therapie der Schwangerschaftsvergiftung richtet sich nach der Art und Schwere der Erkrankung und nach dem Schwangerschaftsstadium, in dem sie auftritt. Eine schwere Schwangerschaftsvergiftung erfordert in der Regel die zeitnahe oder sofortige Entbindung des Kindes. Weniger schwere Formen können sowohl medikamentös als auch alternativ behandelt werden. Gegen den hohen Blutdruck kommen Antihypertensiva zum Einsatz, die den Blutdruck der Schwangeren wieder senken.

Arbeitsverbot und Bettruhe helfen zusätzlich (den Blutdruck zu senken)

Weiterhin bekommen Betroffene häufig ein sofortiges Arbeitsverbot ausgesprochen und sie müssen eine Zeit lang strenge Bettruhe halten. Ebenfalls zum Behandlungsplan gehören regelmäßige Befunde des Urins und des Blutes. Frauen mit schwerer Eklampsie und Krampfanfällen bekommen darüber hinaus krampflösende Medikamente. Die Behandlung frühzeitig erkannter Gestosen verläuft in der Regel komplikationslos, da sich der Blutdruck mithilfe der Medikamente gut steuern lässt. Auf diese Weise kann die Geburt des Kindes nicht selten noch um einige Wochen hinausgezögert werden.

Mit Tees einer leichten Gestose entgegenwirken

Bei leichten Formen der Schwangerschaftsvergiftung, wenn ausschließlich Bluthochdruck und Eiweißausscheidungen auftreten, können Schwangere mit Hausmitteln entgegenwirken:

  • Tees, die die Ausscheidung beschleunigen (wie Brennnessel- und Grapefruittees)
  • Ein bis zwei Reis- und Obsttage in der Woche

Jedoch sollten betroffene Schwangere nicht einfach selbst experimentieren, sondern die Einnahme mit dem Arzt oder der Hebamme absprechen.

Chronischer Bluthochdruck als Folgeerkrankung

Mütter, die während ihrer Schwangerschaft unter einer Schwangerschaftsvergiftung gelitten haben, entwickeln mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nach der Schwangerschaft chronischen Bluthochdruck. Darüber hinaus steigt das Risiko, auch bei einer erneuten Schwangerschaft wieder an einer Form der Gestose zu leiden, um rund 20 Prozent an. Mütter, die hingegen während ihrer ersten Schwangerschaft keine Gestose hatten, werden vermutlich auch während weiterer Schwangerschaften keine Schwangerschaftsvergiftung erleiden.

Übrige Leitsymptome bilden sich wieder zurück

Andere Symptome wie die Proteinurie, die erhöhten Leber- und Nierenwerte und der Leberkapselschmerz bilden sich in der Regel gänzlich zurück und auch dauerhafte Organschäden sind eine äußerst seltene Spätfolge der Schwangerschaftsvergiftung.

Spätfolgen bei Nichtbehandlung bzw. zu später Behandlung

Für Mutter und Kind kann die Schwangerschaftsvergiftung Langzeitfolgen haben, vor allem wenn die Gestose nicht frühzeitig genug bzw. gar nicht behandelt wird:

Für das Kind

  • Lebensgefahr für das ungeborene Kind
  • Frühgeburt
  • motorische Schwierigkeiten und Lernprobleme in der späteren Entwicklung
  • verzögerte oder gestörte Sprachentwicklung

Für die Mutter

  • eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion
  • erhöhtes Herzinfarktrisiko (begünstigt durch den chronischen Bluthochdruck und die arterielle Enge)

Tritt die Gestose hingegen erst sehr spät ein (Spätgestose), beispielsweise nach der 28. Schwangerschaftswoche, ist das Ungeborene meist schon so weit entwickelt, dass in der Regel mit keinen Spätfolgen für das Kind zu rechnen ist. Frühchen, die nach der 30. Woche geholt wurden, entwickeln sich meist vollkommen normal wie ihre Altersgenossen.

Regelmäßige Schwangerschaftsvorsorge reduziert das Risiko für eine schwere Gestose

Da die genauen Ursachen der Schwangerschaftsvergiftung bislang ungeklärt sind, lässt sich einer Gestose auch nicht in jedem Fall vorbeugen. Dennoch können werdende Mütter auf präventive Maßnahmen achten, die den Körper gesund erhalten und einen zu hohen Blutdruck unwahrscheinlich machen:

  • gesunde Lebensweise
  • Reduzierung eventuellen Übergewichts auf einen BMI unter 30
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol
  • ausgewogene Ernährung.

Darüber hinaus sollte die Schwangerschaft bei Frauen, die entsprechende Risikofaktoren mitbringen, besonders engmaschig überwacht werden.

Zu den Risikofaktoren gehören:

  • Übergewicht
  • vorbestehender Bluthochdruck
  • familiäre Veranlagung
  • bereits vorangegangene Schwangerschaftsvergiftungen
  • Mangelernährung
  • ein höheres Lebensalter von über 40 Jahren
  • Diabetes mellitus
  • bereits bestehende Nierenerkrankungen
  • Mehrlingsschwangerschaften

Im Allgemeinen ist die Schwangerenvorsorge das A und O in der Gestose-Prävention. Die regelmäßige ärztliche Kontrolle des Blutdrucks, des Gewichts der Mutter, des Urins sowie der Nieren- und Leberfunktion trägt dazu bei, eine entstehende Schwangerschaftsvergiftung frühzeitig zu entdecken und entsprechend erfolgreich zu behandeln.

Lebensgefahr für Mutter & Kind bei fortbestehender Schwangerschaft

Lassen sich der hohe Blutdruck und die anderen Symptome einer Schwangerschaftsvergiftung nicht entsprechend behandeln, besteht Lebensgefahr für Mutter und Kind. Über die Plazenta kann das Ungeborene nicht mehr ausreichend versorgt werden, es erhält zu wenige Nährstoffe, das Wachstum und die Gewichtszunahme des Kindes verlangsamen sich drastisch. Auch für den mütterlichen Körper besteht Gefahr, denn enorm hohe Blutdruckwerte belasten das Herz und andere Organe. Der Körper kann den Anforderungen der Schwangerschaft nicht länger standhalten. Eine zeitnahe Geburt ist dann die einzige Möglichkeit, Mutter und Kind zu retten.

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