In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:
- Was ist ein Schwangerschaftsdiabetes?
- Symptome und Beschwerden eines Schwangerschaftsdiabetes
- Ursachen des Schwangerschaftsdiabetes
- Risikofaktoren des Schwangerschaftsdiabetes
- Behandlungsmethoden
- Folgen eines Schwangerschaftsdiabetes
- Schwangerschaftsdiabetes vorbeugen
Gestationsdiabetes - Diabetes ausschließlich während der Schwangerschaft
Von einem Schwangerschaftsdiabetes sprechen Mediziner nur dann, wenn die Blutzuckererkrankung nach der Schwangerschaft spontan rückläufig ist und gänzlich wieder verschwindet. Andere Diabetes-Typen würden hingegen über die Schwangerschaft hinaus fortbestehen. Während des Schwangerschaftsdiabetes ist der Blutzuckerspiegel der werdenden Mutter teils enorm erhöht, anzutreffen ist dieses Phänomen vorwiegend in den westlichen Industrieländern. Hierzulande leiden alljährlich rund neun Prozent aller Schwangeren unter einem schwangerschaftsbedingten Diabetes, der sich meist um den siebten Schwangerschaftsmonat herum entwickelt und nach der Geburt zügig wieder verschwindet.
Diabetestest gehört mittlerweile zur Standarduntersuchung bei Schwangeren
Da der Gestationsdiabetes in erster Linie negative Folgen für das ungeborene Kind haben kann, ist die regelmäßige Blutzuckerkontrolle längst eine Standarduntersuchung, die in der Schwangerschaft durchgeführt wird. Andernfalls wäre der Diabetes nur schwer zu erkennen, denn die Symptome können sich verschieden äußern oder sogar ganz ausbleiben.
Häufig bleiben die Symptome eines Schwangerschaftsdiabetes unentdeckt
Die eigentliche Tücke des Schwangerschaftsdiabetes liegt in der Beschwerdefreiheit. In der Vielzahl der Fälle bleibt die Erkrankung daher unbemerkt. Wird sie doch von Symptomen begleitet, so sind diese meist unspezifischer Natur. Beschwerden wie ein übersteigertes Durstgefühl oder eine erhöhte Gewichtszunahme der Mutter bleiben meist unerkannt oder lassen sich auch anderen Ursachen zuschreiben. Lediglich deutlichere Signale wie:
- häufige Blasen- und Harnwegsinfekte während der Schwangerschaft,
- eine eingeschränkte Nierenfunktion,
- hohe Fruchtwassermenge oder
- Zuckerbeimengungen im Urin
weisen vage auf einen Schwangerschaftsdiabetes hin. Diese Symptome müssen aber nicht jeden Schwangerschaftsdiabetes begleiten.
Zuckerbelastungstest gibt eindeutiges Ergebnis
Aufgrund der unspezifischen und teils fehlenden Symptomatik wird heute bei jeder werdenden Mutter ein sogenannter Zuckerbelastungstest durchgeführt. Im Rahmen dieses Tests, der in der Regel nach der 24. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird, kann eine gestörte Zuckerverwertung zweifelsfrei festgestellt werden.
Ursachen - Insulinmangel durch Schwangerschaftshormone
Die Ursache des Schwangerschaftsdiabetes ist ein Insulinmangel, welcher in der Bauchspeicheldrüse entsteht. Dieser Insulinmangel basiert auf der vermehrten Ausschüttung verschiedener Schwangerschaftshormone. Der mütterliche Körper benötigt für die Schwangerschaft viel Energie, weswegen unerschöpflich Glukose freigesetzt wird. Die Bauchspeicheldrüse steuert mit der Insulinbildung dagegen. Die Schwangerschaftshormone Prolaktin, Cortisol, Progesteron und Östrogen beeinflussen das Insulin jedoch negativ. In der Wechselwirkung der Hormone kommt es zum Insulinmangel und daraus folgend zum Anstieg des Blutzuckers. Theoretisch kann also jede schwangere Frau von Schwangerschaftsdiabetes betroffen sein, denn jede werdende Mutter produziert Glukose, Insulin und Schwangerschaftshormone. Einige Schwangere produzieren davon jedoch übermäßig viel, sodass der Weg zum Diabetes geebnet wird.
Risikofaktoren - Übergewicht begünstigt Schwangerschaftsdiabetes
Es sind darüber hinaus einige Risikofaktoren bekannt, die einen Schwangerschaftsdiabetes zwar nicht eigenständig auslösen, ihn aber durchaus begünstigen können. Zu den Risikofaktoren gehören:
- Bewegungsmangel und daraus resultierendes starkes Übergewicht mit einem BMI über 30
- vorbestehender oder innerfamiliärer Diabetes Typ 2,
- übermäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft
- höheres Alter der Mutter.
Darüber hinaus steigt das Risiko an Gestationsdiabetes zu erkranken, wenn die werdende Mutter bei ihrer eigenen Geburt ein Geburtsgewicht von mehr als 4.000 Gramm hatte. Auch mehrere durchlittene Fehlgeburten erhöhen das Risiko, bei einer weiteren Schwangerschaft an Gestationsdiabetes zu erkranken.
Behandlungsmethoden - Insulintherapie und Ernährungsumstellung
Medikamentös kann Gestationsdiabetes mit Insulingaben behandelt werden. Jedoch ist die Insulintherapie nicht immer das Mittel der Wahl. Häufig basiert die Therapie des Schwangerschaftsdiabetes auf einer kompletten Ernährungsumstellung und einer gezielten Bewegungstherapie. Betroffene Schwangere sollten nach der Diagnosestellung darauf achten, keine allzu großen Mahlzeiten mehr zu sich zu nehmen. Stattdessen empfiehlt es sich, über den Tag verteilt bis zu fünf kleine Mahlzeiten einzunehmen.
Ausgewogene, ballaststoffreiche und zuckerarme Ernährung normalisieren die Zuckerwerte
Bei den Nahrungsmitteln selbst sollten Betroffene auf Vollkornprodukte umsteigen und auf Kohlenhydrate, die zu schnell resorbiert werden, gänzlich verzichten. In der Praxis müssen also Weißmehlprodukte, süße Säfte und Limonaden, Schokolade und übermäßig fette Speisen gegen ausgewogene, ballaststoffreiche und zuckerarme Lebensmittel ausgetauscht werden. Im Rahmen dieser Ernährungsumstellung erreichen die meisten Betroffenen wieder normale Zuckerwerte, die sich bis zum natürlichen Ende der Schwangerschaft halten lassen. Außerdem wird auf diese Weise der Gewichtsverlauf positiv beeinflusst, Schwangere nehmen nicht übermäßig viel zu, was sich wiederum positiv auf das Herz und den Blutdruck auswirkt.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten - Artischoke-Dragees und Schwarzkümmel
Auch die Naturheilkunde kann einen Gestationsdiabetes positiv beeinflussen und dessen Rückbildung begünstigen. Geeignete Präparate sind:
- Artischocke-Dragees, welche die Fettverdauung fördern und die Bauchspeicheldrüse sowie die Leber in ihrer Arbeit unterstützen.
- Hilfreich sind darüber hinaus Heidelbeeren und Bohnen, welche die Resorption wichtiger Kohlenhydrate verzögern.
- Schwarzkümmel wirkt sich ebenfalls positiv aus, da er auf natürliche Weise den Blutzuckerspiegel senkt.
- Auch die alternative Vitamin- und Mineralstofftherapie kann den Verlauf des Diabetes positiv beeinflussen. Bewährt haben sich Präparate wie Zink, Folsäure und Omega-3-Fettsäuren, die den Blutzuckerspiegel regulieren und den Fettabbau anregen.
Unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes birgt Spätfolgen für Mutter & Kind
Bleibt Diabetes unbemerkt und demnach unbehandelt, kann er schlimme Konsequenzen für Mutter und Kind haben. Der Mutter droht die Gefahr, einen bleibenden Diabetes zu entwickeln, der lebenslänglich durch Insulingaben behandelt werden müsste. Zudem sind künftige Schwangerschaften gefährdet, denn der Diabetes kann sich wiederholen.
Blutbildungsstörungen, Übergewicht, Diabetes und Muskelkrämpfe als Langzeitfolgen
Noch deutlich gravierendere Folgen kann ein unbehandelter Diabetes-Typ 4 jedoch für das Kind haben. Aufgrund des hohen Anstiegs des Blutzuckerwertes ist nicht nur die Sterblichkeitsrate der Kinder kurz vor und kurz nach der Geburt erhöht, sondern sie leiden schlimmstenfalls ein Leben lang unter Spätfolgen wie Blutbildungsstörungen, zu großem und dabei leistungsschwachem Herzen, Übergewicht und Muskelkrämpfen. Bei der Geburt selbst sind die Kinder häufig übermäßig groß und schwer, bringen nicht selten 4.500 Gramm und mehr auf die Waage. Sie weisen zudem enorme Fettpolster im Nacken und eine gerötete Gesichtshaut auf. Kinder, deren Mütter unter unbehandelten Schwangerschaftsdiabetes gelitten haben, werden zudem um ihr 30. Lebensjahr häufig selbst Diabetiker und leiden ihr Leben lang unter mäßigem bis sehr starkem Übergewicht.
Fehlbildungen und Zuckerschock beim Neugeborenen
In einigen schweren Fällen kann ein unerkannter Schwangerschaftsdiabetes zu Fehlbildungen beim Neugeborenen führen. Neben einem sogenannten Vollmondgesicht können auch die inneren Organe fehlgebildet sein. Infolge einer unausgereiften Lunge kann das Neugeborene beispielsweise am Atemnotsyndrom erkranken, schlimmstenfalls sogar daran ersticken. Da sich die Plazenta im Mutterleib fehlerhaft entwickelt, besteht zudem die Gefahr der Unterversorgung des Fötus. Nicht zuletzt überzuckert durch den Schwangerschaftsdiabetes der Mutter auch das Kind. Nach der Entbindung fehlt dem Neugeborenen die Zuckerzufuhr der Mutter, sein Blutzuckerspiegel sinkt rapide ab, ein Zuckerschock kann die Folge sein.
Schwangerschaftsdiabetes mit einer gesunden, fett- und zuckerarmen Ernährung vorbeugen
Werdende Mütter können einem Schwangerschaftsdiabetes wirkungsvoll vorbeugen, indem sie vor und während der Schwangerschaft auf eine gesunde, fett- und zuckerarme Ernährung achten und sich gemäßigt, aber ausreichend bewegen. Auf diese Weise werden Fettstoffwechsel und Insulinbildung angeregt, und auch während der Schwangerschaft stabilisiert.
Bestehendes Übergewicht vor einer geplanten Schwangerschaft reduzieren
Wünschenswert wäre dabei vor der Schwangerschaft ein BMI von unter 27 zu erreichen. Schwerer haben es hingegen werdende Mütter, die bereits im Vorfeld mit Risikofaktoren behaftet sind. Fließen also begünstigende Faktoren ein, sollte bereits während der ersten drei Monate der Schwangerschaft ein Zuckerbelastungstest durchgeführt werden, um eventuelle Veränderungen der Glukosetoleranz frühstmöglich festzustellen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Selbst bei einem negativen Testergebnis sollten der Zuckerbelastungstest sowie regelmäßige Blutkontrollen zu einem späteren Zeitpunkt der Schwangerschaft erneut durchgeführt werden. Bei vorbelasteten Schwangeren verlaufen die Kontrollen daher engmaschiger.