In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:
- Was ist Zöliakie?
- Hauptursache für eine Glutenunverträglichkeit
- Typische Symptome
- Diagnoseverfahren bei Zöliakie
- Behandlung bei Gutenunverträglichkeit
- Die optimale Ernährung bei Glutenunverträglichkeit
- Ist Zöliakie heilbar?
Zöliakie - Unverträglichkeit gegen das Klebeeiweiß Gluten
Zöliakie, auch einheimische Sprue oder glutensensitive Enteropathie genannt, beruht aufgrund einer chronischen Erkrankung des Dünndarms auf lebenslanger Unverträglichkeit gegenüber Gluten. Das Klebeeiweiß Gluten ist vor allem in Getreidesorten wie Roggen, Weizen, Dinkel, Hafer und Gerste vorhanden. Außerdem enthalten auch ältere Getreidearten wie Urkorn, Emmer (Zweikorn), Einkorn, Kamut und andere diverse Weizenderivaten dieses Klebeeiweiß.
Entzündung der Zotten verursacht eine Verkleinerung der Dünndarmoberfläche
Die aufgenommene Nahrung wird bei gesunden Menschen im Dünndarm in einzelne Bestandteile zerlegt. Anschließend gelangen die Nährstoffe über das Blut in die einzelnen Organe. Damit möglichst viele Nährstoffe aufgenommen werden können, ist der Darm mit Zotten ausgestattet, die in das Darminnere ragen. Liegt eine Glutenunverträglichkeit vor, entzünden sich die sogenannten Zotten und bilden sich zurück. Dadurch verkleinert sich die Oberfläche des Dünndarms, was zur Folge hat, dass der Körper nicht mehr optimal mit Nährstoffen versorgt wird.
Allergie oder Autoimmunkrankheit?
Zöliakie lässt sich als Mischform zwischen Autoimmunkrankheit und Allergie einstufen. Das Immunsystem betrachtet das eigentlich harmlose Gluten als schädlich und greift die Darmschleimhaut mit Antikörpern an. Diese Immunreaktion führt zur chronischen Entzündung der Darmschleimhaut. Die Antikörper greifen allerdings nicht nur das Getreideprotein an, sondern richten sich auch gegen körpereigene Strukturen. Dieser Vorgang gleicht einer Autoimmunkrankheit.
Genetische Veranlagung als Hauptursache für eine Glutenunverträglichkeit
Die genaue Ursache für die Entstehung der Zöliakie ist bislang nicht vollständig geklärt. Eine entscheidende Voraussetzung ist die genetische Veranlagung, die bei 30 bis 40 Prozent der weltweiten Bevölkerung vorkommt. Sind erbliche Faktoren vorhanden, erhöht sich das Risiko auf das dreifache. Da nun nicht alle Menschen mit erblichen Veranlagungen an Zöliakie erkranken, muss es noch weitere Faktoren geben, welche die Entwicklung der Krankheit beeinflussen. Es wird vermutet, dass gewisse Umweltfaktoren, Infektionen, Immunsystem und die Ernährung auch in Zusammenhang mit Zöliakie stehen könnten.
Typische Symptome einer Zöliakie - Blähungen, Krämpfe & Durchfall
Nach glutenreichen Mahlzeiten zeigen sich bei einigen Betroffenen typische Symptome wie
- Blähungen,
- Bauchkrämpfe und
- fettiger Durchfall.
Halten die Beschwerden über einen gewissen Zeitraum an, verliert der Betroffene an Gewicht. Außerdem kommt es zum Eiweißmangel, was zur Folge hat, dass sich das Wasser aus den Gefäßen im Gewebe ansammelt und sich Ödeme bilden.
Atypische Symptome und Beschwerden - Schwäche, Kopfschmerzen, Unfruchtbarkeit
Andere Patienten fallen durch atypische Symptome auf, die nicht direkt mit dem Magen-Darm-Trakt zusammenhängen. Die Krankheitszeichen betreffen den gesamten Körper und äußern sich zudem in seelischen Beschwerden. So kommt es zu:
- Schwäche, Abgeschlagenheit, Müdigkeit
- Unfruchtbarkeit bei Mann und Frau
- Fehl- und Frühgeburten
- häufige Kopfschmerzen, Migräne
- Depressionen
- Nervenschädigungen und -störungen
- Unsicherheit beim Gehen
- Minderwuchs
- Schmelzdefekt an den Zähnen
- verzögerte Entwicklung in der Pubertät
Beschwerden durch Vitamin- und Spurenelementen-Mangel
Auch der Mangel an Spurenelementen und Vitaminen kann körperliche Beschwerden bei Zöliakie auslösen. Diese Stoffe werden zwar ausreichend aufgenommen, können aber durch den entzündeten Darm nur ungenügend ins Blut aufgenommen werden. Hierzu gehören Krankheitszeichen wie:
- erhöhte Leberwerte durch Lebererkrankungen
- Funktionsstörungen der Schilddrüse
- Nachtblindheit wegen Mangel an Vitamin A
- Muskelschwäche, Osteoporose, Knochenschmerzen, Muskelkrämpfe durch Calciummangel
- Blutungen in der Haut aufgrund von Vitamin K-Mangel
- Zungenbrennen, Blutarmut, Faulecken am Mund durch Eisenmangel
- Hautentzündung mit juckenden Bläschen
- Entzündung der Nierenkörperchen
Symptome bei Kindern - Erbrechen, Appetitlosigkeit, Verstopfung
Bei Kleinkindern äußert sich Zöliakie mit folgenden Symptomen:
- Erbrechen
- Appetitlosigkeit
- Leibblähungen
- Veränderungen im Wesen
- Eisenmangel
- Blässe
- Muskelschwäche
- Verstopfung oder wechselnder Stuhl
Außerdem können die motorischen Fähigkeiten verloren gehen und sich Störungen in der Zahnentwicklung zeigen.
Parallel verlaufende Diagnoseverfahren bei Glutenunverträglichkeit
Bluttest zeigt die fortgeschrittene Schleimhautschädigung des Dünndarms an
Um Zöliakie sicher nachweisen zu können, sollten diverse Untersuchungen parallel durchgeführt und die Ergebnisse in Zusammenhang gebracht werden. Den ersten wichtigen Hinweis kann dabei ein Bluttest auf Transglutaminase-Antikörper, Gliadin-Antikörper und Endomysium-Antikörper geben. Anhand der gemessenen Werte kann festgestellt werden, wie stark die Schleimhaut des Dünndarms geschädigt ist.
Funktionstests überprüfen die Nährstoffaufnahme des Dünndarms
Weiterhin geben bestimmte Funktionstests einen Aufschluss. Mit diesen Tests lässt sich die Fähigkeit überprüfen, inwieweit der Dünndarm Nährstoffe aufnimmt und verwertet. So ein Test ist zum Beispiel der D-Xylose-Test. Dieser Test kann Störungen der Dünndarmresorption nachweisen. Ist der Darm bereits sehr stark geschädigt, gibt ein Laktosetest darüber Auskunft, ob eventuell eine vorübergehende Laktoseintoleranz vorliegt.
Endoskopische Dünndarmbiopsie - Gewebeproben geben 100%ige Sicherheit
Um allerdings hundertprozentige Sicherheit zu erhalten, ist eine Dünndarmbiopsie notwendig. Heutzutage ist die endoskopische Dünndarmbiopsie relativ ungefährlich und dauert nicht länger als 15 Minuten. Über den Mund wird ein Endoskop von der Speiseröhre, über den Magen in den Dünndarm geführt. Die dabei entnommenen Gewebeproben werden anschließend histologisch untersucht.
Behandlung von Zöliakie - Glutenfreie Ernährung
Eine Glutenunverträglichkeit ist leider bislang nicht heilbar. Schon die kleinste Menge an Gluten kann histologische Schäden hervorrufen. Daher ist allen Betroffenen zu empfehlen, sich möglichst glutenfrei zu ernähren. Nur so regeneriert sich einerseits die Dünndarmschleimhaut und zum anderen bekommen Betroffene die Symptome unter Kontrolle. Die Ergebnisse werden meist sofort sichtbar. Nach nur wenigen Tagen bemerken Patienten eine Verbesserung des Allgemeinbefindens. Durchfall verschwindet, der Appetit kommt wieder und das Gewicht wird normalisiert. Auch Mangelerscheinungen durch fehlende Vitamine und Spurenelementen klingen ab.
Um die eigene Küche glutenfrei zu halten, ist es wichtig, Kontaminationen durch Reste von Gluten zu vermeiden. Denn bereits kleinste Krümel und Reste an Geschirr und Besteck könnten Beschwerden auslösen.
Die optimale Ernährung bei Glutenunverträglichkeit
Die optimale glutenfreie Ernährung kann ausgewogen, schmackhaft und vor allem gesund sein. Betroffenen ist anzuraten, viel Wasser zu trinken und mit Salz sparsam umzugehen. Die neue EU-Kennzeichnung macht es Zöliakiepatienten mittlerweile recht einfach, Lebensmittel mit und ohne Gluten zu erkennen. Denn selbst geringe Spuren von Gluten müssen Lebensmittelhersteller auf den Etiketten anführen. Es ist zwar wichtig, die Nahrungsmittel bewusst auszusuchen, jedoch sollten Betroffene sich selbst dabei nicht unter Druck setzen.
Glutenfreie Diät ist in jedem Alter möglich
Als vollwertige Ernährung können Betroffene jeder Altersstufe eine glutenfreie Diät durchführen. Beim Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel kann es allerdings zu einer niedrigeren Zufuhr von Ballaststoffen kommen. Daher ist es ratsam, täglich frisches Gemüse und Obst in den Speiseplan einzubauen. So kann der Mangel ausgeglichen werden. Ist ein Defizit an Nährstoffen wie Magnesium, Calcium, Eisen, Vitamin D oder Vitamin B12 vorhanden, kann dieser Mangel nach Absprache mit dem Arzt oder Ernährungsberater durch Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen werden.
Unbedenkliche Nahrungsmittel
Erfreulicherweise hält die Natur eine Reihe von Produkten bereit, die als unbedenklich und glutenfrei eingestuft werden können.
- Reis, Wildreis
- Mais
- Hirse, Buchweizen
- Reis-, Mais- Kartoffelstärke
- Kastanien-, Lupinen- und Kichererbsenmehl, sowie die daraus hegestellten Produkte
- Amaranth und Quinoa
- frisches naturbelassenes Obst und Gemüse
- Hülsenfrüchte
- Kartoffeln
- Milch, Milchprodukte, Butter, Eier, Margarine
- Geflügel, Fleisch, Meeresfrüchte, Fisch
- Salz, Kräuter, Zucker
- Honig, Marmelade
- Wasser und reine Fruchtsäfte
- Öle, Nüsse
- Sekt und Wein
- Tee, Kaffee
Symbol für glutenfreie Nahrungsmittel
Außerdem müssen Betroffene nicht auf Brot, Kekse, Süßwaren, Teigwaren, Pizzaböden oder Mehl verzichten. Denn auch für sie gibt es speziell hergestellte Produkte, die am Symbol der "durchgestrichenen Ähre" zu erkennen sind. Bild oder Icon dafür einfügen
Riskante Lebensmittel
Als riskant werden solche Nahrungsmittel eingestuft, in denen Weizen oder Gluten als Zusatzstoff oder Zutat enthalten ist, wie:
- Sojasoße
- Fertiggerichte
- Würste
Verbotene Nahrungsmittel
Betroffene sollten Getreidesorten wie Weizen, Gerste, Roggen, Kamut und Dinkel komplett vermeiden. Auch Hafer enthält häufig Gluten.
Versteckte Gluten erkennen
Vorsicht ist auch geboten bei Halbfertig- und Fertigprodukten. Hier ein paar versteckte Glutenfallen:
- Bier - Wird aus Gerste hergestellt und enthält somit Gluten.
- Pommes frites - Zwar sind Kartoffeln glutenfrei, jedoch werden sie häufig mit einer Panade ummantelt, die Weizenmehl enthält.
- Gewürzmischungen - Hier wird Gluten oft als Trägerstoff oder Bindemittel verwendet.
- Chips - Das Klebeeiweiß steckt in vielen Sorten, da es den Chips das besondere Aroma verleiht.
- Frischkäse - Vorsicht bei Lightprodukten. Sie werden mit Gluten stabilisiert. Kräuterfrischkäse wird oft mit Gewürzmischungen verfeinert.
- Würstchen und Kartoffelpuffer - Hier wird das Klebeeiweiß oft als Bindemittel eingesetzt.
- Ketchup und Soßen - In den Produkten verbirgt sich das Getreideprotein als Stabilisator.
Lebenslange Erkrankung, jedoch symptomlos mit glutenfreier Diät
Durch die strenge Einhaltung einer glutenfreien Diät lässt sich die Symptomatik erfolgreich behandeln. Die Krankheit selber bleibt hingegen lebenslang bestehen. Wer sich trotz Zöliakie weiterhin glutenreich ernährt, erhöht das Risiko für weitere Autoimmunerkrankungen und gewisse Krebserkrankungen im Dünndarm. Außerdem entwickelt sich bei einigen Patienten eine vorübergehende Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit). Als Spätfolge einer Zöliakie kann sich das Bindegewebe des Dünndarms entzünden. Mediziner sprechen dann von einer kollagenen Kolitis.