In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:
- Was ist eine Fruktoseintoleranz?
- Sonderfall vererbte Fruktoseintoleranz
- Symptome
- Ursachen
- Diagnosestellung
- Behandlung
- Achtung bei der Ernährung
- Fruktosehaltige Lebensmittel
Fruktose wird im Dünndarm nicht effektiv in die Blutbahn aufgenommen
Die Fruktoseintoleranz oder auch Fruktosemalabsorption, beschreibt eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, bei der Fruktose (Fruchtzucker) gar nicht oder nur eingeschränkt vertragen wird. Das bedeutet, dass Fruktose im Dünndarm nicht effektiv in die Blutbahn aufgenommen wird. So gelangt ein Teil der Fruktose in den Dickdarm und verursacht die typischen Beschwerden. Hohe Mengen an Fruktose wirken aber auch bei gesunden Menschen abführend. Als Einfachzucker wird Fruktose im Darm nur langsam aufgenommen. Bei Betroffenen dauert dieser Vorgang im Körper noch länger, wodurch selbst kleine Mengen Fruchtzucker bereits Beschwerden herrufen können. Genauso wie die Laktoseintoleranz ist die Intoleranz gegen Fruchtzucker keine Allergie, sondern zählt zu den nicht allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten - kurz NMU.
Sonderfall vererbte Fruktoseintoleranz - Dem Körper fehlt ein spezielles Enzym
Die hereditäre Fruktoseintoleranz (HFI) ist die angeborene Form der Fruchtzuckerunverträglichkeit und kommt sehr selten vor. Von dieser Stoffwechselkrankheit sind etwa 0,15 Prozent der Bevölkerung betroffen - in Deutschland sind es circa 80.000 Menschen. Dem Körper fehlt ein spezielles Enzym, wodurch sich Fruktose-1-Phosphat an Darmwand, Leber und Nieren anreichert und deren Funktion stark schädigt. Mitunter kann dies lebensgefährliche Folgen haben. Die erbliche Form betrifft meist schon Säuglinge. Bereits der erste Kontakt mit Fruchtzucker löst bei betroffenen Babys Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen aus. Anhand eines Bluttests lässt sich die Unverträglichkeit feststellen. In dem Fall müssen Fruktose und sämtliche Zuckerarten mit Fruktosemolekülen unbedingt gemieden werden.
Typische Symptome - Durchfall & Blähungen
Durchfall und Blähungen sind die häufigsten Beschwerden. Sie werden durch den Fruchtzucker selbst ausgelöst. Gelangt die Fruktose in den Dickdarm, wird sie von den ansässigen Bakterien zersetzt. Neben Wasserstoff und kurzkettigen Fettsäuren entsteht bei der Zersetzung Kohlenstoffdioxid, welches sich im Darm sammelt und Blähungen hervorruft. Die übel riechenden Fettsäuren sorgen für eine vermehrte Wasseransammlung im Dickdarm, wodurch sich der Stuhl verflüssigt und Durchfall auslöst. Blähungen und Durchfall sind zwar die Leitsymptome, treten aber bei der Hälfte der Betroffenen gar nicht auf. Weiterhin kann es zu folgenden Symptomen kommen:
- Bauchschmerzen und -krämpfe
- Aufstoßen
- Völlegefühl, Übelkeit
- unangenehme Darmgeräusche
- weicher Stuhl und plötzlicher Stuhldrang
- Verstopfung
- Appetitlosigkeit, Sodbrennen
- Konzentrationsstörungen
- chronische Müdigkeit, depressive Verstimmungen
Höhere Infektanfälligkeit aufgrund von Zink- und Folsäuremangel
Bei vielen Patienten mit Fruchtzuckerunverträglichkeit verändert sich die Besiedlung der Bakterien im Darm, welche die Darmflora beeinflussen. Deshalb können Spurenelemente und Vitamine schlechter aufgenommen werden. Als Folge kommt es zu Zink- und Folsäuremangel. Zuweilen wird bei einer Fruktoseunverträglichkeit zu wenig des Vitamins Folsäure aus dem Darm aufgenommen. Ein Mangel an Folsäure führt zur Blutarmut. Menschen mit Intoleranz gegen Fruktose und Zinkmangel erkranken öfter an Infekten.
Zwar vertragen Betroffenen häufig kleine Mengen Fruchtzucker problemlos, wird jedoch die Aufnahmegrenze überschritten, kommt es zu den genannten Symptomen. Wobei diese variieren können.
Ursachen - Defekt im Glukosetransporter oder eingeschränkte Leistungsfähigkeit
Um Fruchtzucker zu verdauen, benötigt der Körper einen speziellen Transporter, den sogenannten Glukosetransporter Nummer fünf (Glut-5). Dieser nimmt Fruktose auf und befördert sie ins Blut. Dadurch gelangt sie zu den Zellen und wird dort letztlich zur Energiegewinnung abgebaut. Abgesehen davon ist die Transportkapazität beschränkt - auch bei gesunden Menschen. Ohne Probleme können 35 bis 50 Gramm aufgenommen werden. Wird der individuelle Grenzwert überschritten, wandert der übrig gebliebene Fruchtzucker in den Dickdarm, wo er von Bakterien zur eigenen Energiegewinnung gespalten wird. Als Nebenprodukt entstehen Gase, die zu den angesprochenen Beschwerden führen. Wenn in der zugeführten Nahrung zudem wenig Eiweiß und Fett enthalten ist, führt dies zum schnelleren Transport der Fruktose in den Dünndarm.
Fruktosemalabsorption bereits bei 25 Gramm Fruchtzucker
Menschen mit Fruktosemalabsorption reagieren bereits bei 25 Gramm Fruchtzucker mit den entsprechenden Symptomen. Bei diesen Menschen liegt entweder ein Defekt im Glukosetransporter oder eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit vor. Der verzehrte Fruchtzucker kann nicht vollständig aufgenommen werden und verbleibt im Darm. Der Darm versucht mit starken Bewegungen den Fruchtzucker weiter zu transportieren, was wiederum Schmerzen auslöst.
Als Folge einer Grunderkrankung (sekundäre Fruktosemalabsorption)
Eine Intoleranz gegen Fruktose kann aber auch die Folge einer Grunderkrankung sein. In dem Fall spricht der Mediziner von der sogenannten sekundären Fruktosemalabsorption. Zu den Erkrankungen zählen unter anderem:
- Morbus Crohn
- Zöliakie
- Morbus Whipple
- Malabsorptionssyndrom
- Infektion mit Helicobacter-pylori-Bakterien
All diese Erkrankungen schränken die Funktionsfähigkeit der Darmschleimhaut ein und schädigen sie. Wird die Grunderkrankung erkannt und erfolgreich therapiert, vergeht die Fruchtzuckerunverträglichkeit von alleine.
Diagnosestellung - Fruktoseintoleranztest & Methantest
Wenn aufgrund der Symptome ein Verdacht auf Fruktoseintoleranz besteht, veranlasst der Arzt eine ausführliche Anamnese sowie eine körperliche Untersuchung. Hierbei wird der Bauch abgetastet und Darmgeräusche überprüft. In der Regel sind für eine Diagnose weitere Untersuchungen notwendig.
Fruktoseintoleranztest - Messung des Wasserstoffgehalts in der Atemluft
Als zentraler Bestandteil wird ein Fruktoseintoleranztest durchgeführt, bei dem der Wasserstoffgehalt in der Atemluft gemessen wird. Für den Test trinkt der Patient auf nüchternen Magen ein Glas Wasser, welches mit einer bestimmten Menge Fruktose gemischt wurde. Vor dem Trinken und in halbstündigen Abständen wird der Wasserstoffgehalt beim Ausatmen mit einem speziellen Gerät gemessen. Liegt der gemessene Wert mehr als 20 ppm über dem Ausgangswert, gehen Mediziner von einer Fruchtzuckerunverträglichkeit aus. Je mehr Fruchtzucker die Bakterien zur Verfügung haben, umso höher steigt der Wert.
Methantest - Methanproduzierende Bakterien können den Wasserstoff komplett verbrauchen
Mit weiteren Untersuchungen kann die Diagnose abgesichert werden. So steigert ein Methantest die Sicherheit. Einige Betroffene haben so viele Bakterien im Darm, die Methan produzieren, dass diese Bakterien den Wasserstoff komplett verbrauchen. Demnach ist der Wasserstoff in der Atemluft trotz Unverträglichkeit im Fruktoseintoleranztest nicht mehr nachweisbar.
Behandlung - Ernährungstherapie bei erworbener Fruchtzuckerunverträglichkeit
Wurde eine Intoleranz gegen Fruktose fachärztlich diagnostiziert, ist es wichtig, auf Lebensmittel zu verzichten, die viel Fruchtzucker enthalten. Dabei müssen Betroffene nicht zwangsläufig Fruchtzucker dauerhaft vom Speiseplan streichen. In erster Linie sollte die eigene individuelle Toleranzgrenze ausgetestet werden. Daneben ist es wichtig, die Lebensmittel zu finden, die keine Beschwerden auslösen. So entsteht langfristig ein Speiseplan, der die maximale Vielfalt an Obst und Gemüse enthält. Handelt es sich bei der Intoleranz um eine vererbte Form, muss komplett auf Nahrungsmittel verzichtet werden, die Fruktose enthalten. Dies gilt gleichermaßen auch für Getränke. Zudem sollte berücksichtigt werden, dass selbst in Wein und Bier Fruchtzucker steckt.
Die drei Phasen der Ernährungstherapie - Karenzphase, Testphase, Dauerernährung
Die Beschwerden einer erworbenen Fruchtzuckerunverträglichkeit können durch eine spezielle Ernährungstherapie gelindert werden. Es kann im besten Fall sogar zur Heilung kommen. Die Ernährungstherapie besteht aus drei Phasen:
Karenzphase - Verzicht auf Milchzucker und Ballaststoffe
Die erste Phase der Therapie ist darauf ausgelegt, die Beschwerden zu lindern. In einer Zeitspanne von maximal zwei Wochen dürfen sämtliche zugeführten Nahrungsmittel keinen Milchzucker enthalten. Dies gilt natürlich auch für Getränke. Ebenso sollte der Ballaststoffgehalt reduziert werden. Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Kohl sind in dieser Phase tabu. Unproblematisch hingegen ist der fruchtzuckerfreie Ballaststoff Pektin, der in Karotten und Äpfeln vorkommt. Außerdem ist der Verzehr von Lein- und Flohsamen sowie Traubenzucker, Malz oder Süßstoffe wie Saccharin und Aspartam hilfreich.
Testphase - Nahrungsmittel mit niedrigem Fruktosegehalt
Ist der Betroffene weitgehend frei von Beschwerden, folgt die zweite Phase. Während der sechswöchigen Testphase wird der Speiseplan langsam wieder erweitert. So können Betroffene feststellen, wie viel Fruchtzucker sie vertragen. Zu empfehlen sind Nahrungsmittel mit niedrigem Fruktosegehalt wie Weichkäse, Schmelzkäse, Fleisch- und Wurstsorten, Kartoffeln, Blumenkohl, Brokkoli, Banane oder Rhabarber. Es ist sinnvoll, auch in dieser Phase auf Zuckeralkohole zu verzichten. Empfehlenswert ist die gemeinsame Aufnahme von fruktosereichen Lebensmitteln und Traubenzucker. Auf diese Weise wird der Fruchtzucker im Darm leichter aufgenommen.
Dauerernährung - Ausgewogener Speiseplan mit einer verträglichen Menge fruchtzuckerhaltiger Lebensmittel
In der dritten Phase wird ein ausgewogener Speiseplan erstellt. Hier müssen Betroffene durch Ausprobieren selbst herausfinden, wie viel Fruktose und welche Mengen fruchtzuckerhaltige Lebensmittel vertragen werden. Dabei ist anzuraten, sich schrittweise an die verschiedensten Nahrungsmittel heranzutasten. Ziel ist dabei, eine möglichst bunte Mischung aus Gemüse, Obst und anderen Lebensmitteln auf den Teller zu bekommen. Nur so können Betroffene gewährleisten, auch mit einer Fruktoseintoleranz, optimal mit Nährstoffen versorgt zu werden.
Achtung bei der Ernährung - Nahrungsmittel mit einem ausgeglichenen Verhältnis von Fruchtzucker zu Glukose wählen
Wie bereits erwähnt, ist das Vertragen bestimmter Nahrungsmittel immer abhängig von der eigenen Toleranzgrenze und in welcher Kombination sie zugeführt werden. Daher sollte auf Lebensmittel mit einem einseitig hohen Fruktosegehalt verzichtet werden.
- Einigen Betroffenen hilft es bereits, wenn Nahrungsmittel ein ausgeglichenes Verhältnis von Fruchtzucker zu Glukose besitzen und der Wert kleiner als eins ist - wie es beispielsweise bei Bananen der Fall ist. Dieses günstige Verhältnis wird auch erreicht, wenn zur fruktosehaltigen Mahlzeit ein Stück Traubenzucker gegessen wird.
- Andere vertragen Honigmelone, Grapefruit, Aprikosen, Mandarinen und Beerenfrüchte problemlos, da der Fruchtgehalt sehr gering ist und sie ein günstiges Verhältnis von Fruktose zu Glukose besitzen.
- Neben Getreideprodukten können auch Fleisch, Fisch, Eier und Geflügel bedenkenlos gegessen werden.
- Nahrungsmittel, die viel Fruktose enthalten sind Birne, Trauben, Trockenfrüchte, Gemüse- und Fruchtsäfte oder Apfelkraut. Auch in Diätprodukten, Softdrinks und Gemüsekonserven steckt Fruchtzucker.
- Reich an Fruktose sind außerdem alle Süßigkeiten wie Pralinen, Bonbons, Eiscreme, Riegel und Milchschokolade.
Fruktose/Fruchtzucker versteckt sich auch in Gemüse und anderen Lebensmitteln
Fruktose ist in unterschiedlichen Fruchtsäften und Obst enthalten. Aber auch in bestimmten Gemüsesorten wie Lauch, Grünkohl oder Brokkoli lassen sich kleine Mengen Fruchtzucker nachweisen. In der Regel werden diese von Betroffenen meist gut vertragen. Relevant sind vor allem die natürlichen Fruchtzuckerquellen in Obst und Säften. Ein Fruktosegehalt von 38,8 Gramm je 100 Gramm steckt in Honig. Daneben ist Fruchtzucker auch als Zuckeraustauschstoff in einigen Joghurtsorten, Quarkspeisen, tomatenmarkhaltigen Produkten, Süß- und Backwaren oder in Produkten für Diabetiker enthalten. Fruktose kommt auch in bestimmten Arzneimitteln und Infusionslösungen vor. Oftmals versteckt sich Fruchtzucker auch in Süßigkeiten, Wurstwaren, Fertigsalaten, Konserven, Vollkornprodukten, Bier, Wein, Backmischungen, Fertigsoßen und Kaugummis.
Nicht auf fruktosehaltige Nahrungsmittel verzichten
Selbstverständlich können hier nicht alle Lebensmittel aufgeführt werden. Allerdings existieren viele einschlägige Listen mit dem Fruchtzuckergehalt in Lebensmitteln. Wichtiger zu wissen ist es aber, dass Menschen mit einer Unverträglichkeit gegen Fruchtzucker keinesfalls auf fruktosehaltige Nahrungsmittel verzichten sollten. Dies würde die Beschwerden eventuell sogar verschlimmern.