In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:
- Was ist Histamin?
- Auslöser
- Symptome
- Diagnoseverfahren
- Behandlungsmöglichkeiten
- Die richtige Ernährung
- Diätvorschriften reduzieren Symptome
Histamin - Abbauprodukt der Aminosäure reguliert u.a. den Wach-Schlaf-Rhythmus
Histamin ist ein körpereigenes biogenes Amin, das als Abbauprodukt aus der Aminosäure Histidin entsteht und in bestimmten Zellen wie Mastzellen, Thrombozyten, basophile Granulozyten und in einigen Nervenzellen gespeichert wird. Histamin kann durch Medikamente, chemische Reize, körpereigene Enzyme oder Nahrungsmittel freigesetzt werden.
Im menschlichen Körper hat Histamin vielfältige Funktionen:
- Es zieht die Gebärmutter- und Darmmuskulatur zusammen.
- Außerdem regt es die Magensaftsekretion an.
- Es verengt die zentralen Blutgefäße und Atemwege.
- Als Botenstoff im Gehirn reguliert Histamin den Wach-Schlaf-Rhythmus und die Körpertemperatur.
- Weiterhin erweitert es die peripheren Blutgefäße in Armen und Beinen.
- Aber vor allem löst Histamin als Mediator (Vermittler) die typischen Symptome einer Allergie wie Juckreiz, Hautrötung, Kopfschmerzen, Durchfall oder Erbrechen aus.
Auslöser - Histaminhaltige Lebensmittel, Medikamente & Erkrankungen
Die Intoleranz gegen Histamin wird in den meisten Fällen im Laufe des Lebens erworben und nur sehr selten vererbt. Als Auslöser gelten histaminhaltige Lebensmittel oder eine Störung beim Abbau von Histamin im Körper. Dadurch sammelt sich zu viel des Botenstoffs im Körper an und löst die bekannten Beschwerden aus.
Vergiftungserscheinungen bereits bei 8 bis 40 mg Histamin
Mit der Nahrung nimmt der Mensch täglich etwa vier Milligramm Histamin auf. Bestimmte Lebensmittel erhöhen allerdings die Menge. Wird zu viel Histamin aufgenommen, können selbst gesunde Menschen Vergiftungserscheinungen zeigen. So führen acht bis 40 Milligramm Histamin zu leichten und 70 bis 100 Milligramm zu mittleren Vergiftungserscheinungen. Erst ab einem Wert von 1.500 bis 4.000 Milligramm Histamin treten schwere Vergiftungserscheinungen auf, wenn zum Beispiel verdorbener Fisch verzehrt wird.
Störung beim Abbau von Histamin im Körper
Zu einer Histaminunverträglichkeit kommt es, wenn der Körper den Botenstoff nicht oder nicht ausreichend abbauen kann. Eine maßgebliche Rolle spielt dabei das Enzym Diaminooxidase (DAO). Dieses Enzym ist in der Lage, das Histamin, welches sich außerhalb der Zellen befindet, abzubauen. Daher ist es wesentlich für den Abbau von Histamin aus Nahrungsmitteln verantwortlich. Bei Menschen mit Intoleranz gegen Histamin ist das Enzym nicht ausreichend vorhanden oder in seiner Funktion gestört. Ein weiteres Enzym, das Histamin abbauen kann, ist das Enzym Histamin-N-Methyl-Transferase. Es befindet sich im Zellinneren und kann den Botenstoff dort ausschalten.
Medikamente als Ursache einer Histaminintoleranz
Als körpereigener Botenstoff wird Histamin in unterschiedlichen Zellen produziert, gespeichert und unter bestimmten Einflüssen freigesetzt. So auch bei speziellen Medikamenten. Hier zeigt sich der Effekt meist als unerwünschte Nebenwirkung, wodurch Betroffene unter Umständen auf ein alternatives Medikament zurückgreifen müssen. Im Gegenzug gibt es wiederum auch Medikamente, die den Abbau von Histamin negativ beeinflussen. Auch hier ist das Enzym Diaminooxidase für den Abbau verantwortlich. Demzufolge kann es bei einer medikamentösen Behandlung zu einer erhöhten Konzentration von Histamin und den Beschwerden einer Unverträglichkeit kommen.
Zu einem verminderten Abbau oder einer vermehrten Freisetzung von Histamin können folgende Medikamente führen:
- bestimmte Schmerzmittel (Diclofenac, Acetylsalicylsäure, Metamizol)
- spezielle Antibiotika (Vancomycin oder Neomycin)
- Antidepressivum (Amitryptilin)
- Mittel gegen Sodbrennen (Cimetidin)
- Krebs- und Rheumamittel (Cyclophosphamid)
- einige Schleimlöser (Ambroxol)
- harntreibende Medikamente (Furosemid)
- alle Kontrastmittel zum Röntgen
- Mittel, die Muskeln entspannen (Suxamethonium)
- bestimmte Mittel gegen Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Störungen (Alprenolol, Dihydralazin)
Auslösende Krankheiten einer Histaminintoleranz
Häufig tritt eine Histaminose auch als Folge einer Darmerkrankung auf. Durch die Störung der Darmschleimhaut reduziert sich die Produktion des Enzyms Diaminooxidase (DAO). So ist DAO nicht genügend vorhanden, um Histamin optimal abzubauen. Es gibt aber auch andere Erkrankungen, die die Aktivität der Diaminooxidase einschränken und mit einer Histaminose in Zusammenhang gebracht werden können, wie
- Seekrankheit
- Leberzirrhose
- chronisches Nierenversagen oder
- Nesselssucht.
Auch ein Vitalstoffmangel kann die Ursache sein
Daneben kann auch ein Vitalstoffmangel zu den Symptomen einer Histaminintoleranz führen. Denn Diaminooxidase funktioniert nur optimal, wenn genügend Kupfer, Magnesium und Zink zur Verfügung stehen. Bei Betroffenen kann der Vitalstoffmangel das Problem verstärken oder sogar die Heilung verhindern.
Symptome - Typische Allergiesymptome wie Juckreiz & laufende Nase
Oftmals treten die ersten Symptome im Erwachsenenalter auf und steigern sich in den folgenden Jahren. So nimmt die Histaminose einen schleichenden Verlauf, wodurch die Diagnose erschwert wird. Da Histamin auch der zentrale Überträgerstoff bei Allergien ist, wird die Histaminintoleranz oft mit einer Allergie verwechselt. Dementsprechend zeigen sich auch typische Allergiesymptome wie Juckreiz, verstopfte oder laufende Nase und Kopfschmerzen.
Atemwegsbeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden & Herz-Kreislauf-Störungen
Im Grunde genommen setzt sich die gesamte Histaminkonzentration aus dem von außen zugeführten und im Körper produzierten Histamin zusammen. Erst wenn die Gesamtkapazität überschritten wurde, kommt es zu Krankheitszeichen wie:
- Atemwegsbeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden oder Herz-Kreislauf-Störungen.
- Auch im Bereich der Haut können Symptome wie Quaddeln, Schwellungen, Nesselausschlag oder eine gesteigerte Durchblutung
- Im Gehirn lösen durch Histamin geweitete Blutgefäße Symptome wie Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit, Erbrechen oder Konzentrationsschwierigkeiten
- Wird durch Histamin die Weite der Koronargefäße verändert, kommt es zu Herzrasen.
- Sind periphere Gefäße betroffen kann es bei hoher Konzentration von Histamin zum Versacken des Blutes in den Beinen
- Im Magen-Darm-Trakt löst eine Histaminintoleranz Übelkeit, Blähungen, Krämpfe und Durchfall
- In seltenen Fällen kommt es Krankheitszeichen wie Blutdruckabfall, erhöhter Puls oder Herz-Rhythmus-Störungen.
Bluttest & Urintest geben Hinweise auf eine Unverträglichkeit
Um die Histaminose sicher festzustellen, müssen zunächst alle Erkrankungen ausgeschlossen werden, die vergleichbare Krankheitszeichen zeigen. Nach der gründlichen Untersuchung und einer sorgfältigen Anamnese empfiehlt sich ein Bluttest. So wird der Histamingehalt im Plasma gemessen und die DAO-Aktivität im Serum getestet. Für diesen Test ist es allerdings wichtig, keine histaminarme Diät vor dem Test zu halten. Denn sonst können die Werte verfälscht sein. Nach diesem Test wird dann für 14 Tage weitgehend auf Histamin verzichtet. Anschließend wird der Bluttest wiederholt. Hat sich er Histaminspiegel halbiert oder die DAO erhöht, liegt wahrscheinlich eine Histaminintoleranz vor. Ergänzend kann ein spezieller Urintest Aufschluss geben.
Ernährungstagebuch führen!
Leider sind diese Tests nicht aussagekräftig genug. Daher ist es ratsam, die eigenen Ernährungsgewohnheiten über einen gewissen Zeitraum genau zu analysieren. Was auch bedeutet, dass nicht nur die zugeführten Nahrungsmittel und Getränke notiert werden sollten. Es kann auch sinnvoll sein, das zeitliche Zusammentreffen mit Symptomen aufzuschreiben und Lebensmittel mit einem hohen Histamingehalt zu meiden.
Behandlungsmöglichkeiten - Ernährungsumstellung & Antihistaminika
Wurde Histaminintoleranz eindeutig diagnostiziert, muss die richtige Therapie gefunden werden. Hier gilt in der Regel, die Ernährung langfristig umzustellen und histaminhaltige Nahrungsmittel zu vermeiden. Betroffene, die viel reisen, haben es in dieser Situation oftmals schwer, die Diät einzuhalten. In solchen Fällen helfen sogenannte Antihistaminika. Die heben die Effekte von Histamin auf und verringern somit die Beschwerden.
Auslösende Medikamente absetzen
Da auch gewisse Medikamente als Auslöser für Histaminintoleranz gelten, ist es wichtig, diese nach Absprache mit dem Arzt abzusetzen. Unter Umständen lassen sich diese Medikamente auch durch verträglichere Wirkstoffe austauschen.
Mastzellstabilisatoren bei Magen-Darm-Beschwerden
Bei Magen-Darm-Beschwerden können Mastzellstabilisatoren Linderung verschaffen. Diese sorgen dafür, dass sich Histamin in den Zellspeichern nicht freisetzen kann. Liegt ein Diaminooxidase Defizit vor, empfehlen sich frei verkäufliche Kapseln aus der Apotheke.
Vitamin B6 & Vitamin C zur Linderung der Symptome
Weiterhin versprechen Vitamin B6 Ergänzungen und Vitamin C eine Besserung der Symptome. Außerdem reduziert Cromoglycinsäure den Gehalt an Histamin im Gewebe und somit deren Freisetzung.
Die richtige Ernährung - Auf Räucherwaren & Alkohol verzichten
Damit Betroffene histaminhaltige Nahrungsmittel von ihrem Speiseplan streichen können, müssen sie diese erst einmal kennen. Grundsätzlich gilt jedoch: Lang gereifte Wurst- und Käsesorten, gegorene Produkte, Gepökeltes, Wein (Rotwein), Räucherwaren und eingelegtes Gemüse (Sauerkraut) besitzen einen besonders hohen Histamingehalt. Ebenso sollten Betroffene auf Erdbeeren, Ananas, Hülsenfrüchte, Zitrusfrüchte, Alkohol, Tomaten und Kakao verzichten, da diese im Körper Histamin freisetzen. Auch wenn sie selber kein Histamin enthalten.
Nahrungsmittel, die unverträglich sind:
- alkoholische Getränke (vor allem Rotwein, gewisse Biersorten, Sake)
- Käse mit langer Reifezeit
- Meeresfrüchte, Fisch wie Sardellen, Makrelen, Forelle, Hering
- Rohwurst, Mettwurst, Salami, Cervelatwurst
- Rinder- und Schweineleber, Speck, Parmaschinken, Bündnerfleisch
- Tofu- und Sojaprodukte
- Kakaopulver, Kaffee, Schokolade in jeder Form
- in Essig eingelegtes Gemüse (Sauerkraut), Gemüsemarinaden
- Gemüsesorten wie Hülsenfrüchte, Avocado, Auberginen, Tomaten, Spinat
- Weizenmehl
- Nüsse (Walnüsse, Erdnüsse)
- Bestimmte Fruchtsorten (Erdbeeren, Ananas, Himbeeren, Kiwi, Birnen, Bananen, Zitrusfrüchte)
- Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Gewürze wie Senf, Curry, Balsamico Essig, Paprika, Ketchup, Sojasauce, Würzbrühe
Frische Lebensmittel sind histaminarm
Zudem ist es hilfreich zu wissen, dass frische Lebensmittel bevorzugt werden sollten. Denn sie sind relativ histaminarm und somit gut verträglich. Durch Gärprozesse und längere Lagerung kann sich der Histamingehalt allerdings verändern und erhöhen. In der Regel werden Milchprodukte, Fleisch, fangfrischer Fisch, Obst und Gemüse gut vertragen. Jedoch gibt es hier auch Ausnahmen. So enthalten Orangen, Birnen, Kiwis und Bananen auch im frischen Zustand viel Histamin.
Nahrungsmittel, die gut vertragen werden:
- Brot- und Backwaren, die frei von Hefe sind
- tiefgekühlter oder fangfrischer Fisch
- frisches Fleisch (Geflügel, Kalb, Rind, Schwein), frisches Hackfleisch
- Milchprodukte wie Mozzarella, Sahne, Butter, Frischkäse
- Milchersatz (Kokos- oder Reismilch)
- Eigelb
- Mandeln
- frische Gemüsesorten (Spargel, Fenchel, Kartoffeln, Lauch, Knoblauch, Rhabarber, Zucchini, Salate, Radieschen, Salatgurken)
- Kohlsorten
- alle nicht zitrushaltigen Säfte, Gemüsesäfte
- Kräutertee, grüner Tee
- frische Obstsorten wie Kirschen, Nektarinen, Aprikosen, Heidelbeeren, Kaki, Pfirsich
Krankheitszeichen lassen sich durchentsprechende Diätvorschriften senken
Eine bewusste Ernährung kann die Krankheitszeichen einer Histaminintoleranz deutlich senken kann. Betroffenen, die gleichzeitig an anderen Unverträglichkeiten wie Laktose- oder Fruktoseintoleranz leiden, ist anzuraten, sich einen Ernährungsberater an die Seite zu holen. So kommt es zu keiner Zeit zu einer Mangelversorgung durch Diätvorschriften. Alles in allem ist eine Unverträglichkeit gegen Histamin durchaus heilbar.
Hier zusammengefasst einige Grundregeln, die bei Histaminintoleranz beachtet werden sollten:
- auf Fertigprodukte, Konserven verzichten
- bei überreifen Lebensmitteln ändert sich durch Reife- und Hygienezustand der Histamingehalt
- besser Nahrungsmittel direkt aus dem Kühlschrank verzehren
- weder vor, zu, noch nach dem Essen Alkohol trinken
- bestimmte Medikamente vermeiden
- bei jeglichen Arztbesuchen auf die Unverträglichkeit hinweisen
- Notfallset mitführen