Schloss-Apotheke MARKT Markt 29 57072 Siegen Tel: 0271 53306 E-Mail: kontakt@schlossapo24.de
– Öffnungszeiten anzeigen
Hoher Kontrast

Magersucht - Wenn das Gewicht den Alltag bestimmt…

Die Magersucht ist die wohl meist dokumentierte, psychische bedingte Essstörung. Denn immer wieder wird von magersüchtigen Models, Schauspielerinnen und Sportlern in der Presse berichtet. Obwohl grundsätzlich fast nur Frauen zwischen 15 und 25 Jahren zur Risikogruppe zählen. Die Ursachen einer Magersucht können sehr vielfältig sein, meist liegt es jedoch an einem mangelnden Selbstwertgefühl, Leistungsdruck, dem Streben nach Schönheitsideale oder einer Überforderung von alterstypischen Ansprüchen. Umso zeitiger mit einer Behandlung (psychologische Behandlung und Ernährungstherapie) begonnen wird, umso besser stehen die Chancen auf eine Gewichtsnormalisierung. Allerdings nur, wenn sich die Betroffenen ihre Krankheit selbst eingestehen.

In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Was ist Magersucht?
  2. Hauptformen der Magersucht
  3. Anzeichen von Magersüchtigen
  4. Ursachen
    1. Psychologische Einflüsse
    2. Werbe- und Schönheitsindustrie
    3. Biologische Einflüsse
    4. Weitere Ursachen
  5. Folgeschäden
  6. Behandlung
    1. Ambulante und stationäre Therapie
    2. Psychologische Behandlung
  7. Erfolgschancen

Magersucht - Krankhafte Essstörung mit starkem Gewichtsverlust

"Eine Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine krankhafte Essstörung, welche durch ein starken Gewichtsverlust (bis zu 50 Prozent des Ausgangsgewichts) gekennzeichnet ist. „Anorexie“ bedeutet wörtlich übersetzt Appetitverlust oder Appetitverminderung. Jedoch ist dies eine irreführende Bezeichnung, da nicht zwingend der Appetit, sondern in erster Linie das Essverhalten gestört ist. „Nervosa“ weist auf die psychischen Ursachen der Essstörung hin. Im Vordergrund einer Magersucht, steht der eiserne Wunsch nach extremer Schlankheit.

Die Gewichtsabnahme wird zur Sucht

Auch wenn Magersüchtige im Laufe der Erkrankung schon außerordentlich viel Gewicht verloren haben, überschätzen sie ihren Körperumfang und halten sich immer für zu dick. Menschen mit gesunder Körperwahrnehmung beenden ihre Diät spätestens dann, wenn das (zu Beginn festgelegte) erwünschte Gewicht erreicht ist. Personen mit Magersucht dagegen hungern weiter, auch wenn sie ihr angestrebtes Zielgewicht schon längst erreicht haben. Sie setzen sich immer wieder ein niedrigeres Wunschgewicht. Die Gewichtsabnahme entwickelt sich zur Sucht und der mehrmals tägliche Gang auf die Waage beherrscht ihr Leben.

Body-Maß-Index liegt bei Magersüchtigen unter 17,5

Magersüchtige tun alles dafür um Gewicht zu verlieren, da sie extreme Angst davor haben, dick zu werden. Deshalb setzen viele Magersüchtige zusätzlich Abführmittel, Appetitzügler und sportliche Betätigung ein. Eine Magersucht liegt dann vor, wenn das Körpergewicht um mindestens 15 Prozent niedriger als das Normalgewicht und damit unter dem Body-Maß-Index von 17,5 ist.

Die Nahrungsaufnahme wird über Leistungen definiert

Bei Magersüchtigen kommt es, durch diese psychische Erkrankung, zu einer Störung der Wahrnehmung ihres eigenen Körpers. Die panische, oft wahnhafte Befürchtung, übermäßig "fett" zu werden und das verzweifelte Bemühen, triebhafte Bedürfnisse unter Kontrolle zu halten, spielen eine zentrale Rolle in ihren Leben. Sie glauben den Genuss des Essens nur erleben zu dürfen, wenn sie vorher etwas dafür getan haben, sei es durch sportliche Höchstleistungen, gute Noten oder ähnliches. Sie bestrafen sich mit Verweigerung der Nahrungsaufnahme dafür, falls sie ihr Ziel nicht erreicht haben. Ihr Essen wird so nur noch über Leistungen definiert.

Ruhephasen oder Schlaf werden stark reduziert
Da Magersüchtige ständig das Gefühl haben, etwas leisten zu müssen und die Leistungen des Vortages zu übertreffen, wird jede Ruhepause vermieden und der Schlaf auf ein Minimum reduziert. Deshalb nehmen stundenlange körperliche Aktivitäten wie z. B. Joggen, die meiste Zeit des Tages in Anspruch.

Hauptformen der Magersucht

Man unterscheidet zwei Hauptformen der Magersucht:

Asketischer Typ
Die Betroffenen reduzieren ihr Gewicht ausschließlich durch Hungern, weshalb sie am Anfang noch unter starken Hungergefühlen leiden. Diese jedoch später verschwinden.

Hyperorektischer Typ
Die Betroffenen reduzieren ihr Gewicht durch Hungern (hauptsächlich kalorienarme Speisen), Abführmittel oder Erbrechen. Nicht zu verwechseln mit Bulimiker, welche die Folgen ihres Heißhungers durch Erbrechen verhindern wollen. Magersüchtige dagegen, möchten noch weiter abnehmen.

Anzeichen von Magersüchtigen - Auffallend dünnes Erscheinungsbild

Eine Magersucht lässt sich durch verschiedene körperliche und seelische Anzeichen erkennen:

  • Magersüchtige haben ein auffallend dünnes äußeres Erscheinungsbild.
  • Sie neigen zu motorischer Hyperaktivität und treiben übermäßig Sport, obwohl sie sich müde und schwach fühlen.
  • Betroffene weisen häufig ein zwanghaftes Verhalten, wie Putzanfälle oder Aufräumanfälle auf (extremer Reinlichkeitssinn).
  • Außerdem essen Magersüchtige sehr langsam und extrem heißes oder kaltes Essen, sowie vorwiegend breiige Kost (wie Baby- oder Kindernahrung). Die Nahrungsauswahl ist einseitig und kalorienarm.
  • Sie sammeln Kochrezepte, bekochen gerne die Familie und animieren andere zum Essen.
  • Betroffene täuschen oft das Essen nur vor, indem sie es kauen und hinterher wieder ausspucken.
  • Diebstahl, Horten und Verderben lassen von Nahrungsmitteln, sowie eine übertriebene Sparsamkeit gehören auch zu den Anzeichen der Magersucht.
  • Sie sind Perfektionisten, machen viele Sachen im Stehen und setzen sich häufig der Kälte aus.
  • Zudem sind Magersüchtige sehr zurückhaltend, leiden an depressiven Verstimmungen und verweigern sich über lange Zeit, ihre Krankheit einzugestehen.
  • Ihnen fehlt der Kontakt zum Körper und dessen Bedürfnissen, sie fühlen sich zu dick und wiegen sich ständig (Körperschemastörung)
  • Da sie extreme Angst haben zuzunehmen, benutzen sie oft Abführmittel, Appetitzügler oder helfen selber durch Erbrechen nach.
  • Durch die extreme Mangelversorgung gerät das hormonelle Gleichgewicht aus den Fugen, wodurch es bei Magersüchtigen zum ausbleiben der Monatsblutung kommt.

Ursachen - Schönheitsideale, mangelndes Selbstwertgefühl, Entwicklungsschwierigkeiten

Verschiedene Faktoren wirken bei der Entstehung einer Magersucht zusammen und beeinflussen sich gegenseitig.

Psychologische Einflüsse - Überforderung von alterstypischen Ansprüchen

Eine große Rolle haben psychologische Einflüsse. Da eine Magersucht häufig während der schwierigen Entwicklungsphase der Pubertät beginnt, ist davon auszugehen, dass junge Frauen sich von der Bewältigung der alterstypischen Anforderungen überfordert fühlen. Die Mädchen entwickeln sich in der Pubertät zu Frauen und müssen dann eine neue Identität finden. Fühlt sich die Betroffene davon überfordert, entsteht ein tiefes Gefühl der Unsicherheit. Der Versuch, Kontrolle über das Körpergewicht ausüben zu können, scheint viele Magersüchtige ein Gefühl von Sicherheit zu geben. So wird das Körpergewicht eine wichtige Quelle für ihr Selbstwertgefühl.

Meist reagiert die Familie nicht angemessen auf die neue Entwicklung
Familien von Magersüchtigen weisen häufig die gleichen Verhaltsmuster auf. Die Betroffenen werden von ihren Eltern oft stark behütet, was darauf hinweist, dass auch in der Familie nicht angemessen auf die Entwicklung des Kindes zur Frau reagiert wird. Zugleich werden Konflikte in der Familie in vielen Fällen nicht angesprochen.

Werbe- und Schönheitsindustrie gibt scheinbare Schönheitsideale vor

Einen weiteren wichtigen Grund, zur Entstehung von Magersucht, trägt die Werbe- und Schönheitsindustrie bei. Durch Werbung und Filme erhält man den Eindruck, dass nur schlanke Frauen erfolgreich und beliebt sind. Übergewicht wird vor allem bei Frauen gesellschaftlich sehr negativ bewertet. Durch dieses Schlankheitsideal werden insbesondere junge Frauen, die während der Pubertät körperliche Veränderungen durchlaufen und erst ein Gefühl für ihren "neuen" Körper entwickeln müssen, stark verunsichert.

Biologische Einflüsse - Störung der Hirnregion

Aber auch biologische Einflüsse können eine Magersucht verursachen. Bei vielen Magersüchtigen liegt eine Störung der Hirnregion vor, welche der Steuerung des Essverhaltens, der Menstruation und der sexuellen Aktivität dient. Diese Störung kann jedoch auch erst im Laufe der Erkrankung (als Folge des Gewichtsverlustes) auftreten. In diesem Fall, trägt die Störung dann zur Aufrechterhaltung der Magersucht bei. Untersuchungen zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für eine biologische Verursachung der Magersucht, etwa 50 Prozent beträgt. Somit kann durchaus auch eine genetische Veranlagung an der Entstehung einer Magersucht beteiligt sein.

Weitere Ursachen - Leistungsdruck oder mangelndes Selbstbewusstsein

Zusätzlich können noch weitere Faktoren eine Magersucht auslösen:

  • das Streben nach Selbstständigkeit und Abgrenzung
  • ein mangelndes Selbstbewusstsein
  • familiärer Leistungs- und Erfolgsdruck
  • das Verlangen nach Anerkennung und Aufmerksamkeit (als Hilferuf nach mehr Beachtung und Liebe)
  • Fastenkuren und Diäten, mit denen während der Pubertät experimentiert wird

Folgeschäden - Mangelerscheinungen, Muskelschwäche, Stoffwechselprobleme

Eine Magersucht kann körperliche und seelische Schäden hinterlassen:

  • Es kommt zum Absinken des Pulses, des Blutdrucks, des Stoffwechsels und der Körpertemperatur. Auch der Herzschlag wird langsamer.
  • Das führt wiederum zu Frieren, Müdigkeit und Verstopfung.
  • Kreislaufprobleme, Muskelschwäche und Mangelerscheinungen durch ein Vitamin- und Mineralstoffdefizit, gehören auch zu den Folgen einer Magersucht.
  • Des Weiteren kann es bei den Betroffenen zu trockene Haut, brüchigen Haaren, Veränderung der Körperbehaarung (flaumartige Behaarung des Rückens), Wassereinlagerungen im Gewebe und Haarausfall kommen.
  • Tritt eine Magersucht schon vor der Pubertät auf, wird die körperliche Entwicklung meist stark verzögert.
  • Als Folge der hormonellen Veränderung kann es bei einer Erkrankungsdauer über mehrere Jahre, auch zu Osteoporose kommen.
  • Außerdem leiden Betroffene durch die Magersucht unter ständigen Schuldgefühlen (z. B. wenn etwas schmeckt), Selbsthass, Geiz, starkes Kontrollbedürfnis und zwanghaften Verhalten (Putzen/Waschen).
  • Sie haben Angst vor eignen Bedürfnissen und verletzen sich gelegentlich auch selbst (absichtlich).
  • Wird eine Magersucht zu spät oder gar nicht erkannt, kann sie auch zum Tod führen.

Behandlung - Erfolgreich nur bei Selbsteinsicht der Krankheit

Wenn Betroffene apathisch reagieren, nur noch mit leiser Stimme sprechen, kraftlos sind und beim kleinsten Konflikt mit Weinen reagieren, besteht dringender Behandlungsbedarf für Familie und Freunde. Denn diese Alarmsignale sind der erste Schritt für einen Arztbesuch. Jedoch bringt es nichts die Betroffenen zu einer therapeutischen Hilfe zu zwingen, sie müssen als erstes ihre Krankheit selbst erkennen. Dabei kann eine Beratungseinrichtung helfen.

Ambulante und stationäre Therapie mit Psychotherapie, Physiotherapie und Ernährungstherapie

Je nach Schwere der Magersucht gibt es unterschiedliche Therapiemöglichkeiten. Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen ambulanten und stationären Therapien. Ambulante Therapien finden bei Psychologen statt, wohingegen stationäre Therapien in Krankenhäusern oder psychosomatischen Kliniken erfolgen. Jedoch reicht ein Klinikaufenthalt alleine meist nicht aus. Im Anschluss ist dennoch eine ambulante, psychologische Behandlung erforderlich. Häufig wird ein 8-wöchiger stationärer Klinikaufenthalt mit begleitender Psychotherapie, Physiotherapie und Ernährungstherapie/-beratung empfohlen.

Gewichtszunahme durch Ernährungsumstellung, Musiktherapien und Physiotherapie
Eine Therapie der Magersucht wird in zwei Abschnitte unterteilt. Das erste Anliegen ist eine Gewichtszunahme, um den körperlichen Folgeschäden entgegen zu wirken. Vor allem dann, wenn die körperliche Verfassung lebensbedrohlich ist oder wegen der Depressionen Selbstmordgefahr besteht. Dies geschieht zunächst durch Nährstoffinfusionen. Erst wenn die Betroffenen ein bestimmtes Gewicht erreicht haben, sind sie therapiefähig und können an Einzel- und Gruppengesprächen sowie Gestaltungs-, Musiktherapien und an der Physiotherapie (welche auch Massagen beinhaltet) teilnehmen. Jedoch sollten die Betroffenen die Verantwortung für ihre Gewichtszunahme so schnell wie möglich selbst übernehmen. Zusätzliche Belohnungen, welche sie für die Erfolge bei der Ernährungsumstellung erhalten, können dabei sinnvoll sein.

Psychologische Behandlung - Körper- und familienorientiert

Eine Normalisierung des Gewichts kann langfristig nur erreicht werden, wenn die Ursachen einer Magersucht behandelt werden, wodurch eine psychologische Behandlung unumgänglich ist. Da an der Entstehung einer Magersucht vielfältige Faktoren beteiligt sind, umfasst die Therapie verschiedene Komponenten:

Körperorientierte Therapie
Hier wird den Betroffenen ein besseres Gefühl für ihren Körper vermittelt. Sie lernen dabei auf ihre Körpersignale (wie Hunger) angemessen zu reagieren und ihren Körperumfang realistisch einzuschätzen.

Familienorientierte Therapie
Diese wird vor allem bei jüngeren Magersüchtigen eingesetzt, die noch zu Hause wohnen. Die Familie lernt hierbei, wie sie am besten mit dem gestörten Essverhalten der Betroffenen umgehen können. Denn häufig beschäftigen sich die Familienmitglieder viel zu stark mit der Magersucht der Betroffenen, wodurch diese dann die ungeteilte Aufmerksamkeit erhält. Dabei vergessen die Familienmitglieder ganz, sich mit ihren eigenen Konflikten auseinander zusetzen. Häufig tritt jedoch eine Besserung ein, wenn diese Reaktionsweise (welche zur Aufrechterhaltung der Magersucht beitragen kann) unterbrochen wird. Meist erleben es gerade die Eltern als erleichternd, wenn sie im Umgang mit der Erkrankung ihres Kindes von einem Therapeuten unterstützt werden.

Erfolgschancen - Der Kampf mit dem Gewicht bleibt ein Leben lang

Leider sind die Heilungschancen bei Magersucht nicht besonders hoch, wobei die Besserungschancen generell aussichtsreicher sind, wenn die Erkrankung früh begonnen wird. Wie viele von den Betroffenen geheilt werden, lässt sich nicht mit genauen Daten feststellen. Denn die gestörte Einstellung zum Essen und das zwanghafte Verhalten, behalten viele Magersüchtige ein Leben lang. Ganz geheilt von der Krankheit, ohne ein auffälliges Zwangs- und Essverhalten, wird häufig nur ein geringer Prozentsatz. Einige erreichen zumindest annähernd das Normalgewicht, bei anderen wiederum lässt sich zwar eine Gewichtszunahme feststellen, jedoch wird der Bereich des Normalgewichts nicht erreicht. Auch nach einer Gewichtsnormalisierung halten bei vielen Betroffenen die ständige Angst vor dem "Dickwerden", das Kalorienzählen und der Leistungsdruck an. Es gibt aber auch Fälle bei denen die Magersucht chronisch bestehen bleibt. Erschreckend ist, dass ca. 10 bis 15 Prozent infolge einer Magersucht sterben.

Interessante Themen für Sie

Ratgeber Bulimie - Ess-Brech-Sucht

Ein gestörtes Selbstwert- und Körpergefühl, zahllose und vergebliche Diäten, aber auch das durch...

Für diese Funktion benötigen Sie ein aktuelles Betriebssystem (mind. Android 7 oder iOS/ipadOS 15)

App-Icon
Jetzt App herunterladen