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Bulimie - Ess-Brech-Sucht

Ein gestörtes Selbstwert- und Körpergefühl, zahllose und vergebliche Diäten, aber auch das durch die Medien vermittelte Schlankheitsideal sind häufige Auslöser einer Ess-Brecht-Sucht. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind in Deutschland rund 600.000 Menschen an Bulimie erkrankt, wobei 85 Prozent davon junge Frauen zwischen 18 und 30 Jahren sind. Bulimie ist eine ernsthafte Erkrankung die unbedingt behandelt werden muss, nur scheuen sich Betroffene in der Regel darüber zu sprechen bzw. sich ihre Krankheit einzugestehen. Dabei können Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Gesprächstherapie sowie eine Ernährungsberatung Betroffenen helfen, den eigenen Körper so zu akzeptieren wie er ist.

In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Was ist Bulimie?
  2. Bulimietypen
  3. Symptome
  4. Ursachen
  5. Folgeschäden
  6. Behandlungsmethoden
    1. Ernährungsberatung
    2. Alternative Therapieformen
    3. Selbsthilfegruppen
    4. Medikamentöse Behandlung
  7. Ernste & behandlungswürdige Erkrankung

Essstörung mit Heißhungerattacken und anschließendem Erbrechen

"Der Begriff ‚Bulimia nervosa‘ (kurz Bulimie) bedeutet so viel wie Ochsen- oder Stierhunger, wobei der Anhang ‚nervosa‘ psychische Ursachen deutlich macht. Bulimie wird auch als Ess-Brech-Sucht bezeichnet und beschreibt eine Essstörung, die mit wiederholten Heißhungerattacken und anschließendem Erbrechen einhergeht. Bei einem solchen Essanfall kommt es vor, dass der Betroffene Nahrungsmittel zu sich nimmt, die bis zu 6000 Kalorien enthalten können. Häufig greifen Bulimiker zu besonders fett- und kohlenhydrathaltigem Essen. Das darauffolgende Erbrechen erfolgt aufgrund der Angst vor einer Gewichtszunahme. Häufig werden dabei auch Medikamente wie Abführmittel, Appetitzügler oder harntreibende Präparate eingenommen, um das Gewicht zu halten.

Das Essen ist kein Genuss, sondern ein Zwang

Für Menschen, die unter der Ess-Brech-Sucht leiden, ist Essen jedoch kein Genuss, sondern wird vielmehr als Zwang angesehen. Im Vergleich zu Magersüchtigen fallen Bulimiker nicht unbedingt durch ihr Untergewicht auf, sondern haben meist ein Körpergewicht im Normalbereich.

Ständige Angst vor einer Gewichtszunahme

Zu Beginn der Krankheit treten nur vereinzelte Heißhungerattacken auf, die jedoch im Verlauf zunehmen bis sie schließlich fester Bestandteil des gesamten Tagesablaufs sind. Für gewöhnlich geschehen die Heißhungerattacken heimlich, ohne dass Familie, Freunde oder der Partner etwas davon mitbekommen. Zudem sind auch extreme Gefühls- und Stimmungsschwankungen vertreten, die von höchstem Lustempfinden und Zufriedenheit bis hin zu Niedergeschlagenheit und Scham reichen. Bulimiker empfinden extreme Angst vor einer Gewichtszunahme und beschäftigen sich ständig mit dem Thema Essen und allem, was dazugehört (Kalorien, Diät oder die Figur im Allgemeinen).

Bulimietypen - Purging-Typ und Nicht-Purging-Typ

Bei Bulimie-Erkrankten unterscheidet man zwischen zwei Typen:

Purging-Typ
Direkt nach einem Essanfall versuchen die Betroffenen die aufgenommenen Kalorien durch Erbrechen oder die Einnahme abführender sowie entwässernder Medikamente wieder loszuwerden, um somit eine Gewichtszunahme zu verhindern.

Nicht-Purging-Typ
Hier versuchen die Betroffenen zwar ohne Erbrechen, dafür aber mit übertriebener körperlicher Aktivität sowie Fasten oder Hungern die durch die Essanfälle entstandenen Kalorien wieder zu verlieren.

Symptome - Langer Toilettengang nach den Mahlzeiten & Dauerhusten

  • Die Betroffenen haben Angst vor einer Gewichtszunahme und beschäftigen sich aus diesem Grunde permanent mit dem Thema Essen.
  • Bulimiker möchten ihre Krankheit geheim halten und greifen deshalb meist auf Nahrungsmittel zurück, die reichlich vorhanden sind oder besorgen sich Essen außer Haus.
  • Häufig greifen Erkrankte zu Lebensmitteln, die fettlastig bzw. kohlenhydrathaltig und daher eher ungeeignet für einen Gewichtsverlust sind sowie zu Nahrung, die schnell heruntergeschluckt werden kann (Pudding oder Eiscreme).
  • Nahrungsmittel und Speisen, zu denen während einer Heißhungerattacke gegriffen wird, sind selten gekocht.
  • Der Toilettengang dauert bei Bulimikern nach den Mahlzeiten sehr lange.
  • Häufig nehmen Erkrankte vor und nach dem Essen große Mengen Flüssigkeit zu sich, um so das Erbrechen zu erleichtern.
  • Häufig werden Betroffene von andauerndem Husten begleitet, da beim Erbrechen Flüssigkeit in die Atmungsorgane gelangt.
  • Bulimiker ziehen sich meist von ihrer Umwelt zurück und leiden oftmals unter depressiven Verstimmungen, Stimmungsschwankungen, Selbstvorwürfen oder Schuldgefühlen.
  • Betroffene haben eher selten ein schlankes Gesicht, sondern vielmehr die für die Kinderkrankheit Mumps typischen Hamsterbacken.

Ursachen - Streben nach dem Schlankheitsideal & psychische Probleme

Die Ursachen für Bulimie sind sehr komplex und können nicht pauschalisiert werden. Dabei wirken unterschiedliche Faktoren zusammen, die das gesunde Essverhalten stören und gleichzeitig die Entstehung einer Essstörung begünstigen können.

Medien prägen das europäische Schlankheitsbild
Zum einen haben natürlich die Medien einen enormen Einfluss auf dieses Verhalten. Diese vermitteln uns täglich, was das europäische Schlankheitsideal ausmacht - nämlich einen schlanken, gesunden und schönen Körper. Die Menschen lassen sich vom Schlankheitswahn leiten und führen unzählige erfolgversprechende Diäten durch. Abnehmerfolge werden durch positive Reaktionen und Komplimente unterstrichen und so kommt es, dass Gewichtskontrolle und Schlanksein erheblich zu einem ausgeprägten Selbstbewusstsein beitragen. Deshalb sind in dieser Hinsicht gerade junge Menschen gefährdet, da sie während der Pubertät noch unsicher und kritisch mit ihrem Körper sind.

Familiäre oder psychische Schwierigkeiten
Zum anderen könne auch familiäre oder psychische Schwierigkeiten eine bedeutende Rolle spielen und der Grund für eine Essstörung sein. Hierzu zählen Verlustereignisse wie beispielsweise ein Schulwechsel, die Scheidung der Eltern, der Tod eines geliebten Menschen sowie Missbrauchserfahrungen oder ein mangelndes Selbstwertgefühl und Unsicherheit im Allgemeinen.

Folgeschäden - Entzündungen der Speiseröhre, Zahn- & Nierenschäden

Häufiges Erbrechen und ein gestörtes Essverhalten können zu dauerhaften und schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden führen:

  • Durch das Erbrechen wird Magensäure hervorgebracht. Dies kann zu Entzündungen in der Speiseröhre sowie zu Rissen und Verletzungen führen.
  • Magensäure ist sehr aggressiv und greift den Zahnschmelz an, was dauerhaft mit einer Schädigung der Zähne verbunden ist.
  • Aufgrund der Heißhungerattacken kann der obere Verschluss des Magens hin zur Speiseröhre beeinträchtigt werden, was zu Sodbrennen und Entzündungen führen kann.
  • Der Missbrauch von Medikamenten und harntreibenden Präparaten kann zu einem Mangel von lebenswichtigen Salzen wie Magnesium, Natrium oder Kalium führen.
  • Eine häufig auftretende Folge des Erbrechens ist eine Entzündung und Schwellung der Ohrspeicheldrüse. Äußerlich tritt diese Erscheinung durch die für die Kinderkrankheit Mumps typischen Hamsterbacken hervor.
  • Durch das Erbrechen wird dem Körper Flüssigkeit entzogen, wodurch es zu einer Unterversorgung mit Flüssigkeit kommt (Dehydration). Dies kann folglich zu Nierenschädigungen führen.
  • Am Herzen kann es durch eine Elektrolytverschiebung, welche durch Flüssigkeitsverlust hervorgerufen wird, zu Herzrhythmusstörungen kommen.
  • Darüber hinaus können Magenwandschädigungen und Veränderung an Haut und Haaren auftreten.
  • Der zusätzliche Missbrauch von Alkohol oder Drogen kann die körperlichen Komplikationen darüber hinaus noch dramatisieren.
  • Da Bulimie eine Störung des Hormonsystems verursacht, kann damit verbunden Unfruchtbarkeit, ein Ausbleiben der Menstruation sowie Kälteempfindlichkeit oder ein Energiemangel eintreten.

Behandlungsmethoden - Aufarbeitung der Ursachen durch verschiedene Therapieformen

Bei Bulimie handelt es sich um eine Suchterkrankung, so dass die Behandlungsmethoden hier sehr unterschiedlich sind. Am wichtigsten ist allerdings, dass die Betroffenen selbst diese Sucht als Krankheit anerkennen und bereit sind, sich helfen zu lassen.

Grundsätzlich werden drei Therapiearten unterschieden:

  • Verhaltenstherapie,
  • Psychoanalyse sowie die
  • Gesprächstherapie.

Diese Therapieformen dienen alle der Aufarbeitung der Ursachen, die zur Bulimie geführt haben, weshalb jede dieser drei Behandlungsarten zur Suchbewältigung in Anspruch genommen werden kann. Meist können diese im Rahmen einer ganzheitlichen Behandlung auch miteinander kombiniert werden. Bei zusätzlichen medizinischen Schwierigkeiten und Problemen sollte eine Behandlung grundsätzlich in einer Klinik erfolgen.

Ernährungsberatung - Das Essen neu erlernen

Um die gesundheitliche Situation nicht zu verschlechtern und somit eine Rückbildung der biologischen Funktionsstörungen herbeizuführen, ist eine Änderung des Essverhaltens unabdingbar. Aus diesem Grunde ist die Ernährungsberatung auch ein wichtiger Therapiebestandteil. Häufig müssen Bulimiker, die schon über einen längeren Zeitraum unter der Ess-Brech-Sucht leiden, das Essen neu erlernen. Dabei haben sie die Vorstellung darüber verloren, wie die Größe und Zusammenstellung einer normalen Mahlzeit aussieht.

Verständnis für eine angemessene Nahrungszusammensetzung bekommen
Bei der Ernährungsberatung setzen sich die Betroffenen mit einer angemessenen Nahrungszusammensetzung auseinander, wobei darüber hinaus auf eine ausreichende Kalorienzufuhr sowie eine zeitliche Verteilung der Nahrungsaufnahme geachtet wird. Besonders zu Beginn der Therapie ist eine starke Kontrolle der Bulimiker notwendig, da diese zwar mit einer Ernährungsumstellung einverstanden sind, aber dennoch die Angst der Gewichtszunahme überwiegt und somit häufig ein Erbrechen herbeigeführt wird.

Natürlich ist eine Therapie nicht nur auf die Normalisierung des Essverhaltens eingestellt, sondern die Betroffenen lernen auch, sich Komplikationen, Belastungen, Stress und schließlich der Krankheit selbst zu stellen.

Alternative Therapieformen zur Stärkung der Selbstwahrnehmung

Häufig ist bei Betroffenen mit Essstörungen das Verhältnis zum eigenen Körper gestört und sie können Körper, Geist und Seele nicht als eine Einheit erleben. Möglicherweise können hier alternative Therapieformen ergänzend helfen, diese Einheit wieder herzustellen und die Selbstwahrnehmung zu stärken. Zu den alternativen Therapieformen zählen unter anderem die Tanz-, Mal- und Gestaltungtherapie sowie Entspannungsmethoden in Form von autogenem Training oder Musiktherapien.

Selbsthilfegruppen - Sorgen, Ängste und Probleme mit anderen teilen

Selbsthilfegruppen können ein wichtiger Bestandteil während oder auch nach einer Therapie sein. Betroffene treffen auf Menschen, die ein ähnliches oder gleiches Schicksal erfahren haben und mit denen sie über Sorgen, Ängste und Probleme sprechen können. Dies gibt Mut und Kraft für positive Veränderungen im Leben. Eine Selbsthilfegruppe gibt seelischen Halt, stärkt das Selbstvertrauen und spornt dazu an, alte Verhaltensmuster abzulegen und gegen neue einzutauschen.

Medikamentöse Behandlung - Antidepressiva bei depressiven Verstimmungen

Bei Bulimikern ist auch eine Behandlung mit Medikamenten möglich, beispielsweise dann, wenn depressive Verstimmungen auftreten, die häufig mit einer Essstörung einhergehen. Hier werden die Betroffenen unterstützend mit Antidepressiva behandelt, wobei dies allerdings zuvor einer ärztlichen und psychotherapeutischen Beratung bedarf.

Bulimie ist eine ernste Krankheit die behandelt werden muss!

Bulimie ist leider eine sehr ernstzunehmende Krankheit, die bei Nichtbehandlung schwere gesundheitliche Schäden nach sich ziehen kann. Gerade junge Mädchen und Frauen sind häufig gefährdet, da sie einem (durch die Medien vermittelten) Schlankheitsideal nacheifern. Oder sie versuchen auf diese Art und Weise bestimmte Schicksalsschläge zu verarbeiten. Viele Betroffene sollten sich jedoch nicht scheuen, Beratungsstellen aufzusuchen oder sich professionell helfen zu lassen, um irgendwann sich und seinen Körper so zu akzeptieren wie er ist.

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