Mittlerweile gibt es drei verschiedene COVID-19-Impfstofftypen. Es wird unterschieden zwischen mRNA-basierte Impfstoffe und Vektor-basierte Impfstoffe sowie protein-basierte Impfstoffe. Alle Impfstofftypen wirken auf unterschiedlicher Weise im Körper und sollen vor schweren Verläufen einer Covid-19-Erkrankung schützen.
In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:
- Was sind mRNA-basierte Impfstoffe?
- Was sind Vektor-basierte Impfstoffe?
- Was sind protein-basierte Impfstoffe?
- Wie sicher sind die zugelassenen COVID-19-Impfstoffe?
- Wie viele Impfungen sind für eine vollständige Grundimmunisierung notwendig?
- Boosterimpfungen
- Für wen gilt besondere Vorsicht?
- Was kostet die Impfung?
- Wo kann man sich impfen lassen?
- Impfpflicht für COVID-19-Impfung
- Impfempfehlung laut STIKO
- COVID-19-Impfung für Kinder
- Welche Nebenwirkungen der Impfung wurden bisher beobachtet?
mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna
Die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna sind sogenannte mRNA-basierte Impfstoffe. Dabei steht das „m“ für messenger und „RNA“ für ribonucleic acid (Ribonukleinsäure). Ein mRNA-basierter Impfstoff enthält Genabschnitte des SARS-CoV-2-Virus. Nach der Impfung werden in den Körperzellen Proteine hergestellt (Antigene), die das Immunsystem zu einer Antikörperbildung gegen das Virus und einer zellulären Abwehr gegen SARS-CoV-2-infizierte Zellen anregen und daraufhin eine Immunreaktion bewirken.
mRNA-Impfstoffe werden nach kurzer Zeit von den Zellen abgebaut und haben keinen Einfluss auf die menschliche DNA. Sie sind nicht zellschädigend, weshalb von ihnen keine Gefahr ausgeht.
Vektor-Impfstoffe von Astra-Zeneca und Johnson & Johnson
Bei den Impfstoffen von Astra-Zeneca und Johnson & Johnson handelt es sich um sogenannte Vektor-basierte Impfstoffe. Um Informationen in den Körper zu schleusen benötigen diese Impfstoffe als Grundlage ein unschädlich gemachtes Virus. Dieses enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen ankoppelt. Auch hier bilden die Zellen mit Hilfe der Bauanleitung das Protein und der Körper entwickelt in der Folge Antikörper dagegen.
Allerdings kommt derer Impfstoff Vaxzevria (von Astra-Zeneca) seit dem 1. Dezember 2021 in Deutschland nicht mehr zum Einsatz.
Protein-Impfstoffe von Novavax und Valneva
Protein-basierte Impfstoffe enthalten künstlich hergestellte Eiweiß-Bestandteile des SARS-Coronavirus-2. Um die Schutzwirkung der Impfung zu erhöhen, enthalten die Impfstoffe einen Wirkverstärker, ein sogenanntes Adjuvans.
Beim Impfstoff Nuvaxovid vom US-Hersteller Novavax wird ein Protein aus der Hülle des Virus verwendet, das sogenannte Spikeprotein. Dieses wird mit modernsten Verfahren aus Zellkulturen gewonnen und anschließend über verschiedene Schritte gereinigt. Als Adjuvans wird Matrix-M auf Saponinbasis hinzugegeben. Der Impfstoff Nuvoxavid zählt funktionell als Totimpfstoff.
Auch beim Impfstoff Valneva vom gleichnamigen österreichischen Hersteller Valneva handelt es sich um einen Totimpfstoff. Er enthält das komplette SARS-CoV-2-Virus (ganze Viruspartikel), das vorher abgetötet und dadurch inaktiviert wurde. Diese Viruspartikel können keine Krankheit verursachen. Der Impfstoff enthält zudem zwei Wirkverstärker: Aluminiumhydroxid und Cytosin-Phospho-Guanin. Das Immunsystem erkennt das inaktivierte Virus als fremd und bildet Antikörper und T-Zellen dagegen.
Infektionsrisiko und schwere Verläufe durch Impfung wesentlich geringer
Nach jetzigem Kenntnisstand bieten die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna sowie der Vektor-Impfstoff von AstraZeneca bei Infektion mit der Delta-Variante eine sehr hohe Wirksamkeit von etwa 90 Prozent gegen eine schwere COVID-19-Erkrankung. Gegen eine symptomatische SARS-CoV-2-Infektion bieten die Impfstoffe eine gute Wirksamkeit von etwa 75 Prozent. Der Novavax-Impfstoff soll das Risiko für symptomatische Covid-19-Erkrankungen um 90 Prozent reduzieren.
Bei vollständig gegen COVID-19 geimpften Personen ist die Wahrscheinlichkeit, schwer an COVID-19 zu erkranken, um ca. 90 Prozent geringer als bei den nicht geimpften Personen. Zudem zeigte sich der Impfschutz bei jüngeren Menschen ausgeprägter als bei älteren Menschen, unabhängig von Impfstofftyp und Virusvariante. Allerdings gibt es auch eindeutige Hinweise für einen mit der Zeit nachlassenden Impfschutz.
COVID-19-Erkrankung trotz Impfschutz
Es kann demnach trotz vollständigem Impfschutz zu einer COVID-19-Erkrankung kommen, da die Impfung keinen 100%igen Schutz bietet. In diesen Fällen spricht man von sogenannten Impfdurchbrüchen. In der Regel verläuft die Erkrankung dann mit milderen Symptomen oder sogar asymptomatisch. Eine vollständige COVID-19-Impfung bewahrt uns demzufolge vor schweren Krankheitsverläufen.
Vollständige Grundimmunisierung nach zwei Impfdosen
Mit den Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna sind für eine vollständige Grundimmunisierung zwei Impfdosen (im Abstand von 3-6 Wochen bei BioNTech/Pfizer und 4-6 Wochen bei Moderna) erforderlich. Der Impfstoff von Astra-Zeneca (ebenfalls 2 Impfdosen) sollte nach Empfehlungen der STIKO im Abstand zwischen 9 und 12 Wochen erfolgen. Für eine vollständige Grundimmunisierung mit dem Totimpfstoff von Novavax müssen ebenfalls zwei Impfdosen im Abstand von 3 Wochen verabreicht werden. Die Grundimmunisierung mit COVID-19-Impfstoff Valneva erfolgt mit 2 Impfstoffdosen im Abstand von mindestens 4 Wochen. Bei allen Impfstoffen tritt der volle Impfschutz bereits 14 Tage nach der zweiten Dosis ein.
Ausnahme Impfstoff von Johnson & Johnson
Beim Impfstoff von Johnson & Johnson wird auf eine Einmalgabe gesetzt. Damit war er bisher der einzige Impfstoff, bei dem nur eine Impfung erforderlich ist, um die komplette Schutzwirkung zu erhalten. Allerdings deuteten aktuelle Studien darauf hin, dass im Unterschied zu den anderen zugelassenen Impfstoffen eine vergleichsweise geringe Impfstoffwirksamkeit (ca. 70 Prozent) gegenüber der Delta-Variante besteht.
Aufgrund dieses ungenügenden Impfschutzes wird empfohlen, Personen, die bisher eine Impfstoffdosis des Johnson & Johnson Impfstoffes erhalten haben, eine zusätzliche mRNA-Impfstoffdosis 4 Wochen nach der Johnson & Johnson-Impfung vornehmen zulassen.
Impfung nach durchgemachter COVID-19-Erkrankung
Personen, die schon an COVID-19 erkrankt waren, sollten laut Experten etwa 3 Monate nach Genesung geimpft werden.
Boosterimpfungen
Die STIKO empfiehlt allen Personen ab 18 Jahren, allen Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren sowie Kindern im Alter von 5-11 Jahren mit Vorerkrankungen, eine Auffrischung ihres Impfschutzes (3. Impfung). Die Auffrischimpfung sollte mit einem mRNA-Impfstoff ab dem vollendeten 3. Monat nach Abschluss der Grundimmunisierung erfolgen. Dies gilt auch für Schwangere ab dem 2. Trimenon. Grund dafür ist der abnehmende Schutz der Impfung. Personen, die nach COVID-19-Impfung (unabhängig von der Anzahl der Impfstoffdosen) eine Infektion durchgemacht haben, sollen im Abstand von mindestens 3 Monaten nach Infektion ebenfalls eine Auffrischung erhalten.
Für folgende Personengruppen wird eine weitere Auffrischimpfung (4. Impfung) empfohlen, vorzugsweise mit einem Omikron-adaptierten bivalenten mRNA-Impfstoff, im Abstand von 6 Monaten zum letzten immunologischen Ereignis (Impfung oder SARS-CoV-2-Infektion):
- Personen ab 60 Jahren
- Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren mit erhöhtem Risiko für schwere COVID-19-Verläufe infolge einer Grunderkrankung, insbesondere Immundefizienz
- Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen, insbesondere solche mit direktem Patienten- bzw. Bewohnerkontakt
- Bewohner in Einrichtungen der Pflege
- Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf in Einrichtungen der Eingliederungshilfe
Vorsicht gilt für Menschen mit schweren Allergien
Besondere Vorsicht gilt bei Menschen mit schweren Allergien, die bereits mit einem anaphylaktischen Schock auf eine Impfung, ein Medikament oder ein bestimmtes Lebensmittel reagiert haben. Hier ist eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt anzuraten.
COVID-19-Impfung ist für alle kostenlos
Unabhängig vom Versicherungsstatus ist die Impfung für alle kostenlos. Während der Bund die Kosten für den Impfstoff übernimmt, tragen die Länder gemeinsam mit der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung die Kosten für die Impfzentren.
Impfung in Impfzentren, Arztpraxen und Apotheken möglich
Für die Durchführung der COVID-19-Impfung wurden spezielle Impfzentren eingerichtet. Wo sich diese befinden, können Sie auf den Seiten der jeweiligen Bundesländer einsehen. Zusätzlich gibt es mobile Impfteams, die z. B. stationäre Pflegeeinrichtungen aufsuchen.
In der ersten Impfphase erfolgten die Impfungen ausschließlich in den Impfzentren bzw. von mobilen Impfteams, um eine zeitnahe Impfung von vielen Menschen und gleichzeitig eine bessere Überwachung der Impfstoffe zu ermöglichen. Inzwischen können die Impfungen auch in Arztpraxen bzw. Facharztpraxen und Apotheken vorgenommen werden.
Impfpflicht in Deutschland für COVID-19-Impfung
In Deutschland wird es vorerst keine allgemeine Corona-Impfpflicht geben. Somit wird es nach derzeitigem Stand keine über die seit März geltende Corona-Impfpflicht für das Personal in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen hinausgehende Verpflichtung für andere Bevölkerungsgruppen in Deutschland geben.
Impfempfehlung laut STIKO
Zwischen der Zulassung eines Impfstoffes und einer Impfempfehlung der STIKO (Ständige Impfkommission) liegt in der Regel eine gewisse Zeit. Da die Zulassungsbehörden dieses Mal aber bereits während der Entwicklung des Impfstoffs regelmäßig mit aktuellen Daten vom Hersteller versorgt wurden, konnte die STIKO die Daten ebenfalls zeitgleich bewerten. So war es möglich, dass zeitnah zur Zulassung des Impfstoffs eine wissenschaftliche Impfempfehlung durch die STIKO gegeben werden konnte.
Die Impfung kann einen entscheidenden Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten und vor allem das Risiko schwerer COVID-19 Erkrankungen stark reduzieren. Voraussetzung ist jedoch, dass mit Hilfe der Impfung ein Großteil der Bevölkerung eine Immunität gegen das Virus entwickelt.
COVID-19-Impfung schon für Kinder ab 5 Jahren
Inzwischen wird allen Kindern und Jugendlichen im Alter von 12-17 Jahren eine COVID-19-Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer sowie mit dem proteinbasierten COVID-19-Impfstoff Nuvaxovid der Firma Novavax empfohlen. Zusätzlich sprach die STIKO eine Impfempfehlung zur Grundimmunisierung mit 2 Impfstoffdosen sowie eine Auffrischimpfung für Kinder im Alter von 5-11 Jahren aus, die aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung haben.
Kinder, im Alter von 5-11 Jahren in deren Umfeld sich Angehörige oder andere Kontaktpersonen mit hoher Gefährdung für einen schweren COVID-19-Verlauf befinden, die durch eine Impfung selbst nicht sicher geschützt werden können, empfiehlt die STIKO eine Grundimmunisierung mit 2 Impfstoffdosen.
Allen anderen Kindern empfiehlt die STIKO zunächst nur eine COVID-19-Impfstoffdosis.
Häufung von lokalen Reaktionen und allgemeinem Krankheitsgefühl
Wie bei jeder Impfung können auch bei der COVID-19-Impfung Nebenwirkungen und Impfreaktionen auftreten. Diese äußern sich üblicherweise kurz nach der Impfung und halten einige Tage an. Lokale Reaktionen können beispielweise Schwellung, Rötung und Schmerzen an der Einstichstelle sein. Systemische Reaktionen können sich in Form von Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Magen-Darm-Problemen, leichtes Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl äußern. Zudem traten nach der Impfung mit der Astra-Zeneca seltene Fälle von Thrombosen in Kombination mit Thrombopenien bei Geimpften auf. Geimpfte sollten hier vor allem auf Symptome wie starke Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Beinschwellungen, anhaltende Bauchschmerzen oder punktförmige Hautblutungen, die wenige Tage nach Impfung auftreten und anhalten, achten. In solchen Fällen ist umgehend ärztliche Hilfe aufzusuchen.
Stand: 26.10.22
Quelle: https://www.rki.de/