In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:
- Was bedeutet Zeugungsunfähigkeit?
- Voraussetzungen für eine Zeugungsfähigkeit
- Symptome einer Zeugungsunfähigkeit
- Ursachen für eine Zeugungsunfähigkeit
- Zeugungsunfähigkeit feststellen
- Behandlungsmethoden bei einer Zeugungsunfähigkeit
- Erfolgsaussichten
Sterilität des Mannes heißt innerhalb von zwei Jahren kein Kind gezeugt zu haben
Die Mehrzahl der Paare wird innerhalb von acht bis zehn Monaten nach Absetzen der Verhütungsmittel schwanger. Für einige Paare kann dieser Zeitraum schon eine Geduldsprobe sein. Von einer Sterilität des Mannes spricht man jedoch erst, wenn ein Mann trotz regelmäßigen und ungeschützten Geschlechtsverkehrs über zwei Jahre kein Kind zeugen konnte. Besteht dann ein sehr großer Kinderwunsch, leiden die betroffenen Männer häufig an Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln.
Voraussetzungen für eine Zeugungsfähigkeit: Nicht nur ausreichend Spermien müssen vorhanden sein
- eine ausreichende Produktion von fruchtbarem Sperma, d. h. pro Milliliter Samenflüssigkeit müssen über 20 Millionen Spermien vorhanden sein und mehr als die Hälfte eine normale Form oder Bewegungsfähigkeit haben
- die Durchlässigkeit des Samenleiters
- eine normale Zusammensetzung des Prostata- und Bläschendrüsensekrets
- eine befruchtungsfähige Potenz zum Zeitpunkt des Eisprungs der Frau
Schätzungsweise genügen sieben Prozent der Männer diesen Anforderungen nicht.
Eine Größenveränderung der Hoden deutet schon auf eine Zeugungsunfähigkeit hin
Zwar zieht eine Sterilität des Mannes in der Regel keine besonderen Beschwerden nach sich, jedoch kann sie sich durch verschiedene körperliche Symptome äußern:
- Größenveränderung der Hoden
- veränderte Körperproportionen, ein so genannter eunuchoider Hochwuchs, weist auf einen Mangel an männlichen Sexualhormonen hin (erkennbar an den langen Armen und Beinen, verhältnismäßig kurzen Rumpf, spärlichen Bartwuchs, kleine Hoden und kleiner Penis, ausbleibender Stimmenbruch)
- starke Gewichtsschwankungen (Gewichtszunahme oder -abnahme)
Zehn Gründe für eine Sterilität
Auch beim Mann gibt es verschiedene Ursachen, die für den unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich sein können:
Hormonstörungen (Mangel an Testosteron)
Da sich die Spermien unter Einfluss von Hormonen wie z. B. dem männlichen Sexualhormon Testosteron entwickeln, führt ein Mangel dieser zu einer reduzierten Spermienanzahl in der Samenflüssigkeit. Eine Sterilität kann aber auch das so genannte Prolaktinom (hormonproduzierender Tumor der Hirnanhangsdrüse) verursachen.
Reduzierte Spermienqualität (Oligospermie)
Ursache dafür ist häufig eine so genannte Varikozele. Dies ist eine Krampfaderbildung am Hodensack, welcher dabei von vergrößerten und geschwollenen Venen durchzogen ist. Die Spermienqualität können jedoch auch Geschlechtskrankheiten (wie Chlamydien, Gonorrhö), ein übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum, Stress, Umweltgifte (wie Pflanzenschutzmittel) und bestimmte Medikamente reduzieren. Außerdem kann auch eine ständige Überwärmung des Hodens z. B. durch Sitzheizungen, die Qualität und Anzahl des Samens herabsetzen.
Störungen des Spermientransports durch blockierte Samenleiter
Bei einigen Männern sind die Samenleiter blockiert, das heißt es gelangen gar keine Samenzellen in das Ejakulat. Dies kann z. B. an einer physischen Unterbrechung der Samenleiter liegen, wodurch die Spermien nicht in das Ejakulat gelangen. Auch Schädigungen der Samenleiter, hervorgerufen durch Verletzungen, Operationen (z. B. nach einem Leistenbruch), Infektionen oder angeborene Fehlbildungen des Hodens können dafür verantwortlich sein. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Muskeln, welche die Spermien aus dem Penis pumpen, nicht richtig funktionieren. In wenigen Fällen produzieren die Hoden keine Samenzellen. Gründe dafür können hormonelle Störungen, Verletzungen, eine Mumps-Erkrankung nach der Pubertät (diese kann zu einer Hodenentzündung führen und später zur Zeugungsunfähigkeit) oder genetische Störungen sein.
Hodenhochstand im Kindesalter
Im Normalfall wandern die Hoden bereits beim Fötus, spätestens jedoch bis zum Ende des ersten Lebensjahres, aus dem Bauchraum in den Hodensack. Bleiben die Hoden jedoch im Bauchraum oder der Leistenregion, sind sie dort einer höheren Temperatur als im Hodensack ausgesetzt, wodurch sie Schaden nehmen können. Wird dieser Hodenhochstand nicht rechtzeitig behandelt, kann dadurch die Bildung und Beweglichkeit der Spermien nachhaltig beeinträchtigt werden.
Verlegung der Samenwege versperrt den Spermien den Weg
Wenn die Samenwege verlegt sind, können die Hoden zwar ausreichend Spermien bilden, jedoch ist ihr Weg durch die Samenleiter oder Nebenhodengänge versperrt. Grund hierfür kann z. B. eine entzündlich bedingte Verklebung der Samenleiter sein.
Retrograde Ejakulation - Samenerguss wird nach „innen“ geleitet
Bei dieser Ejakulationsstörung wird der Samenerguss nicht nach außen, sondern nach innen, also rückwärts über die Harnröhre in die Harnblase geleitet. Schuld daran ist meist eine Fehlfunktion des inneren Blasenschließmuskels. Es kann aber auch die Folge einer Prostatavergrößerung sein. Häufig tritt dies bei querschnittsgelähmten Menschen und aufgrund von Diabetesspätfolgen auf.
Erbkrankheiten wie das Klinefelter-Syndrom
Eine Erbkrankheit, die eine Sterilität des Mannes nach sich zieht, ist z. B. das Klinefelter-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine Veränderung der Geschlechtschromosomen. Normalerweise besitzen die männlichen Vertreter ein XY-Chromosom. Bei dem Klinefelter-Syndrom haben sie jedoch ein zusätzliches X-Chromosom.
Nebenwirkungen von Therapien oder Operationen
Häufig beeinträchtigen Bestrahlungen (beispielsweise im Rahmen einer Krebstherapie) oder bestimmte Medikamente die Entwicklung der Spermien. Dies ist meist jedoch nur zeitlich begrenzt. Bei einer Operation z. B. eines Leistenbruchs, kann es versehentlich passieren, dass die Samenleiter durchtrennt werden. Hier spricht man dann von einer Sterilisation des Mannes (Vasektomie), welche jedoch durch verschiedene Verfahren wieder rückgängig gemacht werden kann.
Bestehende oder vorangegangene Krankheiten im Genitalbereich
Die Zeugungsfähigkeit kann auch durch bestehende oder bereits durchgemachte Krankheiten wie einer Hodeninfektion, Nebenhodenentzündung, Harnröhrenentzündung oder einer Prostataentzündung beeinträchtigt werden.
Idiopathische (ungeklärte) Sterilität
Bei circa 15 Prozent der Paare kann keine organische Ursache für die Kinderlosigkeit gefunden werden, weder bei dem Mann noch bei der Frau. Häufig wird vermutet, dass dahinter psychische Faktoren stecken.
Zudem gibt es auch Ursachen, die zum einem die Zeugungsfähigkeit des Mannes und zum anderen die Fruchtbarkeit der Frau gleichermaßen beeinträchtigen können (siehe mehr unter Unfruchtbarkeit bei der Frau).
Mithilfe von speziellen Untersuchungsmethoden auf Nummer Sicher gehen
Um die Ursachen einer Zeugungsunfähigkeit festzustellen, ist der Weg zum Urologen oder Andrologen der erste Schritt. Dieser untersucht neben dem allgemeinen Gesundheitszustand unter anderem die Hoden und Nebenhoden auf Veränderungen, sowie die Prostata und Bläschendrüsen durch den Enddarm. Zusätzlich kann eine Ultraschall-Untersuchung der Hoden und Prostata durchgeführt werden. Diese gibt Aufschluss darüber, ob entzündliche Veränderungen, eine Varikozele oder ein Hodentumor vorliegen. Denn in 0,5 Prozent der Fälle erkranken Männer mit Zeugungsproblemen an einem Hodentumor.
Durch weitere Untersuchungen lässt sich eine Zeugungsunfähigkeit genau feststellen beziehungsweise ausschließen:
Untersuchung des Samens mithilfe eines Spermiogramms
Bei dieser Untersuchung erstellt der Arzt ein so genanntes Spermiogramm. Dazu wird unter einem Mikroskop die Samenqualität auf Vorhandensein, Anzahl, Form und Beweglichkeit der Spermien geprüft. Für die Spermiengewinnung ist es erforderlich, dass der Mann circa drei Tage sexuell enthaltsam lebt. Anschließend wird durch Masturbation die Samenflüssigkeit gewonnen. Bei dieser Untersuchung lässt sich das Ejakulat zusätzlich auf eine Entzündung der Geschlechtsorgane oder Antikörper, die gegen eigene Spermien gerichtet sind, kontrollieren. In der Regel wird ein Spermiogramm zweimal im Abstand von einem Monat durchgeführt, da die Qualität des Spermas stark schwanken kann. Eine normale Samenqualität zeigt folgende Werte an:
Spermavolumen = 2 bis 5 Milliliter
Spermienanzahl = 20 Millionen pro Milliliter oder mehr
Normale Formen = mehr als 30 Prozent der Spermien
Beweglichkeit = mehr als 50 Prozent der Spermien
Hormonuntersuchungen im Blut
Durch eine Hormonwertbestimmung des Blutes können Störungen im Hormonhaushalt erkannt werden. Dies ist vor allem für die Bildung von Samenzellen wichtig, da diese wiederum für die Bildung und Ausschüttung bestimmter Hormone (wie Testosteron, FSH, Prolaktin oder LH) abhängig ist. Häufig werden Hormonuntersuchungen erst dann durchgeführt, wenn bei der Untersuchung des Samens, eine sehr geringe Anzahl an Spermien festgestellt wurde.
Hodenbiopsie - Gewebeprobe aus dem Hoden
Eine so genannte Hodenbiopsie wird meistens dann vorgenommen, wenn das Spermiogramm sehr eingeschränkt ist, um so festzustellen, ob überhaupt Samenzellen produziert werden. Unter einer örtlichen Betäubung entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe aus dem Hoden und untersucht diese anschließend unter dem Mikroskop.
Genetische Untersuchung durch Blutprobe
Meist wird bei einer geringen Samendichte überprüft, ob genetische Abweichungen vorliegen. Dies geschieht durch eine Blutprobe, welche man im Labor kultiviert und untersucht.
Behandlungsmethoden bei einer Zeugungsunfähigkeit
Die Sterilität des Mannes kann häufig ursächlich behandelt werden:
- Wenn ein Testosteronmangel festgestellt wurde, kann je nach Ursache des Mangels eine Testosteron-Therapie oder der Einsatz von weiteren Hormonen sinnvoll sein.
- Eine retrograde Ejakulation kann mit Hilfe von so genannten Sympathikomimetika behandelt werden. Diese sorgen für einen festeren Verschluss des Harnblasenausgangs. Somit kann das Ejakulat nicht mehr in die Harnblase, sondern wieder nach außen abfließen.
- Enthält die Samenflüssigkeit Antikörper, die gegen die eigenen Spermien gerichtet sind, können Kortikosteroide helfen, da sie das körpereigene Immunsystem unterdrücken.
- Auch eine Zeugungsunfähigkeit durch verklebte Samenleiter, lässt sich gegebenenfalls durch eine Operation beheben.
- Sollte zudem nach einer bewussten Sterilisation wider Erwarten ein Kinderwunsch bestehen, gibt es die Möglichkeit, die durchtrennten Samenleiter mikrochirurgisch wieder zu verbinden.
Künstliche Befruchtung wenn ursächliche Behandlung nicht möglich ist
Ist eine ursächliche Behandlung der Sterilität nicht möglich, stehen verschiedene Verfahren der künstlichen Befruchtung zur Verfügung, siehe unter Unfruchtbarkeit bei der Frau.
Ein großer Vorteil der künstlichen Samenübertragung besteht darin, dass auf diese Weise mehr Samenzellen schneller an die Eizelle gelangen als beim Geschlechtsverkehr. Zudem können sogar bei einer spermienlosen Samenflüssigkeit (z. B. hervorgerufen durch verschlossene Samenleiter) die Spermien direkt aus dem Hoden oder Nebenhoden unter örtlicher Betäubung entnommen werden.
Bis zu 20 Prozent Erfolgsquote nach Sterilitätsbehandlung
Laut Statistiken tritt bei bis zu 20 Prozent der Paare nach einer Sterilitätsbehandlung eine Schwangerschaft ein. Jedoch kommt es nach einer Behandlung der Unfruchtbarkeit bzw. Zeugungsunfähigkeit häufig zu Früh- und Fehlgeburten. Aus diesem Grund werden nur circa 10 bis 15 Prozent der Paare auch wirklich Eltern. Dabei kann es vermehrt zu Mehrlingsschwangerschaften kommen.
Zuviel Zeit sollte allerdings nicht vergehen, denn je länger die Sterilität des Mannes anhält, desto kleiner werden die Chancen, die Sterilität erfolgreich behandeln zu können. Daher sollte das Paar bereits schon nach einem Jahr den Rat eines Arztes einholen.
Das Risiko der Zeugungsunfähigkeit eindämmen
Eine Zeugungsunfähigkeit lässt sich grundsätzlich nicht vorbeugen. Jedoch kann das Risiko durch verschiedene Maßnahmen reduziert werden. Siehe unter Unfruchtbarkeit bei der Frau.