In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:
- Was ist das Raynaud-Syndrom?
- Symptome
- Formen
- Ursachen
- Folgeschäden
- Behandlungs- und Vorbeugungsmaßnahmen
Mangeldurchblutung durch anfallartig auftretende Engstellung der Gefäße
Das Raynaud-Syndrom ist auch als „Leichenfinger“ oder das „Syndrom der kalten Finger“ bekannt und beschreibt eine Durchblutungsstörung, die nach dem französischen Arzt Maurice Raynaud benannt wurde. Deutschlandweit leiden etwa zwischen 4 und 17 Prozent der Bevölkerung unter diesem Syndrom, wobei deutlich mehr Frauen als Männer betroffen sind. Bei der Erkrankung handelt es sich um eine akute Mangeldurchblutung, welche durch eine anfallartig auftretende Engstellung der Gefäße verursacht wird. Die Gefäße verkrampfen, was sich meist an den Fingern und Zehen äußert. Darüber hinaus können aber auch Nase, Ohrläppchen oder die ganze Hand betroffen sein.
Symptome - Dreistufige Verfärbung (Trikolore-Phänomen)
Sichtbar werden solche Gefäßkrämpfe durch eine aufeinanderfolgende Verfärbung, die in drei Schritten verläuft:
- Aufgrund der plötzlichen Engstellung der Gefäße werden diese zu wenig durchblutet und die betroffenen Gliedmaßen färben sich weiß.
- Daraufhin färben sich die Körperstellen tiefblau und sind starr und kalt.
- Durch die daraufhin wieder eintretende stärkere Durchblutung laufen die Glieder rot an.
Diese Abfolge ist meist sehr schmerzhaft und mit lang andauernden Taubheitsgefühlen verbunden. Aufgrund dieser auftretenden Farben und in Anlehnung an die französische Flagge wird die dreistufige Verfärbung auch als Trikolore-Phänomen bezeichnet. Ein solcher Raynaud-Anfall kann nur wenige Minuten andauern oder sich aber über mehrere Stunden hinwegziehen.
Formen des Raynaud-Syndroms
Das Raynaud-Syndrom unterscheidet zwei Formen:
Primäre Form - Eigenständige Krankheit ohne Grunderkrankung
Bei der primären oder auch idiopathischen Form des Raynaud-Syndroms handelt es sich um eine eigenständige Krankheit, die nicht auf einer bestehenden Grunderkrankung basiert. Dabei sind die Glieder meist beidseitig betroffen und können zwischen den Anfällen entweder kalt sein oder auch leicht zum Schwitzen neigen. Die primäre Form ist zwar unangenehm, verläuft aber in der Regel so, dass kein Gewebe abstirbt oder andere erhebliche Beschwerden auftreten.
Sekundäre Form - Basiert auf eine Grunderkrankung
Die sekundäre Form des Raynaud-Syndroms basiert hingegen auf einer bereits bestehenden Grunderkrankung. Hier liegt meist nur ein einseitiger Befall vor. Allerdings kann es bei dieser Form des Raynaud-Syndroms zu einem Gewebsuntergang wie Hautnekrosen kommen.
Ursachen des Raynaud-Syndroms
Primäres Raynaud-Syndrom - Kälte, psychische Belastungen
Das primäre Raynaud-Syndrom wird häufig durch Kälte verursacht, weshalb es auch vorrangig im Winter auftritt. Allerdings muss nicht immer übermäßige Kälte der Auslöser sein, denn häufig ist schon ein kurzer Temperaturwechsel ausreichend (Griff in die Kühltruhe oder Berührung mit kaltem Metall), um das Syndrom hervorzurufen. Zudem spielen auch psychische Belastungen eine wesentliche Rolle, wenn es um die Ursachenfindung von Gefäßkrämpfen geht. Zu solchen Belastungen zählen
- Stress,
- Angst,
- Anspannung oder
- Bewegungsmangel,
- Koffein,
- starkes und regelmäßiges Rauchen,
- hormonelle Umstellungen sowie die
- Überdosierung verschiedener Medikamente.
Da diese Faktoren die Verengung der Gefäße fördern, kommt es folglich dazu, dass Hände und Füße frieren. Darüber hinaus sind vom primären Raynaud-Syndrom häufig auch bestimmte Berufsgruppen betroffen, die permanent mit vibrierenden Maschinen wie Presslufthammer, Schlagbohrmaschine sowie Elektro- oder Motorsäge arbeiten.
Sekundäres Raynaud-Syndrom - Autoimmunerkrankungen, nervliche Erkrankungen
Die sekundäre Form des Raynaud-Syndroms tritt im Gegensatz zur primären Form seltener auf. Diese Erkrankung kann als Frühsymptom von Autoimmunerkrankungen, als Begleitstörung nervlich bedingter Erkrankungen oder durch bestimmte Arzneimittel, welche die Gefäße verengen, hervorgerufen werden. Beispiele dafür sind:
- Gefäßentzündungen
- systemische Sklerose
- systemischer Lupus
- Multiple Sklerose
- Karpaltunnelsyndrom
- Schlaganfall
- Betablocker
- diverse Zytostatika
Folgeschäden - Schädigung der Blutgefäße, Gefäßaussackungen
In Abhängigkeit von der Dauer und Schwere der Erkrankung können in der Folge die Blutgefäße geschädigt werden. Dabei kann beispielsweise zu einer Verdickung der Gefäßinnenhaut oder zur Entstehung von Gefäßaussackungen an den Kapillaren kommen. Schlimmstenfalls führt eine andauernde Mangeldurchblutung zum Absterben von Gewebe sowie zur Entstehung von Geschwüren. Aus diesem Grunde ist es für Betroffene wichtig, eine gründliche Untersuchung durchführen zu lassen, um auszuschließen, dass möglicherweise auftretende Symptome erste Anzeichen einer anderen ernsthaften Erkrankung sind.
Behandlungs- und Vorbeugungsmaßnahmen
Es gibt einige Maßnahmen zur Vermeidung eines Raynaud-Anfalls. Diese bilden die Grundlage einer jeden Therapie und sind für die Behandlung eines leichten primären Raynaud-Syndroms ausreichend.
- Der Schutz vor Kälte und Nässe hat oberste Priorität. Hierbei ist es wichtig, sich bei nasskalter Witterung nur so wenig wie möglich im Freien aufzuhalten und die Hände mit Hilfe von Fausthandschuhen, beheizbaren Handschuhen oder wärmenden Gelkissen warm zu halten.
- Regelmäßige Wechselbäder und Saunagänge sowie Sport fördern die Durchblutung und sind eine einfache Maßnahme, um möglichen Anfällen vorzubeugen.
- Bei Stress, innerer Anspannung und anderen psychischen Belastungen können Entspannungstechniken wie Akupunktur, Yoga oder autogenes Training helfen.
- Betroffene sollten zudem unbedingt das Rauchen einstellen, denn das Nikotin sorgt für ein Zusammenziehen der Gefäße und behindert somit den Blutfluss. Darüber hinaus wirken auch Kaffee und schwarzer Tee gefäßverengend.
- Chronische Vibrationen können zur Entstehung von Durchblutungsstörungen beitragen und diese auch verschlimmern. Aus diesem Grunde sollten Betroffene auch Berufe, bei denen mit vibrierenden Werkzeugen wie Motorsägen, Bohrmaschinen, Presslufthammern oder Ähnlichem gearbeitet wird, vermeiden.
- Wie bereits beschrieben, können einige Medikamente das Raynaud-Syndrom auslösen. Hierzu zählen unter anderem Betablocker oder auch Antibabypillen. Aufgrund dessen ist eine Absprache mit dem Arzt zu empfehlen, um möglicherweise Medikamente abzusetzen oder auf andere Präparate auszuweichen.
Medikamentöse Behandlung - Gefäßerweiternde Medikamente & Infusionen
Bislang ist die medikamentöse Behandlung des Raynaud-Syndroms eher unbefriedigend, denn dabei wird versucht, die Anfälle mit Hilfe von gefäßerweiternden Medikamenten zu verhindern. Es wird zwischen zwei Arten von Medikamenten unterschieden: Einige werden direkt auf die betroffene Stelle aufgetragen, andere hingegen wirken im zentralen Nervensystem. Allerdings können besonders beim sekundären Raynaud-Syndrom die Anfälle nicht immer erfolgreich unterdrückt werden, weshalb besonders schwere Fälle der zweiten Form mit Infusionen behandelt werden.
Operative Behandlung - Sympathektomie
Sind die Durchblutungsstörungen in den Fingern stark ausgeprägt, kann eine so genannte Sympathektomie als operative Maßnahme angewendet werden. Dabei wird der Sympathikus-Nerv bei einem chirurgischen Eingriff durchtrennt. Leider ist diese Methode jedoch nicht für immer beschwerdefrei, sondern hält meist nur einen bestimmten Zeitraum (von einigen Monaten bis hin zu zwei oder drei Jahren) an.