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Harninkontinenz im Alter

Harninkontinenz im Alter

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, eine Harninkontinenz zu entwickeln. Jedoch hängt eine Inkontinenz nicht nur vom Alter ab, sondern hauptsächlich von der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit älterer Menschen. Dahingehend unterscheiden sich auch die vielfältigen Ursachen für eine altersbedingte Inkontinenz. So können neben Abnutzungserscheinungen der Blase oder einer Blasenschließmuskelschwäche auch neurologische Erkrankungen, Östrogenmangel, Rückgang von Nervengewebe, Medikamente oder Harnwegsinfekte Auslöser sein. Mit den entsprechenden Behandlungsmethoden lässt sich in der Regel das Ausmaß der Blasenschwäche eindämmen.

In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Häufige Inkontinenzform bei älteren Menschen
  2. Ursachen
    1. Schwäche des Blasenschließmuskels
    2. Abnutzungserscheinungen der Blase
    3. Rückgang des Nervengewebes
    4. Zuckerkrankheit
    5. Östrogenmangel nach den Wechseljahren
    6. Medikamente
    7. Harnwegsinfekte
    8. Als Folge von Operationen oder Unfällen
    9. Neurologischen Erkrankungen & Krankheiten des Rückenmarks
  3. Behandlungsmöglichkeiten
    1. Kontinenztraining & Anlegen eines Miktionsprotokolls
    2. Inkontinenz-Hilfsmittel
    3. Für ein kontinenzfreundliches Umfeld sorgen
    4. Medikamente zur Unterstützung
  4. Erfolgschancen

Ältere Menschen leiden vermehrt an einer Dranginkontinenz

"Da bei älteren Menschen oft mehrere Gründe für eine Inkontinenz auftreten, lässt sich meist kein genauer Inkontinenztyp zuordnen. Grundsätzlich können ältere Menschen aber an jeder Harninkontinenzform erkranken. Vermehrt leiden sie allerdings unter einer Dranginkontinenz, welche bei Frauen häufig in Kombination mit einer Belastungs- bzw. Stressinkontinenz auftritt. Bei einer Dranginkontinenz bewirkt ein starker Harndrang einen unweigerlichen Urinabgang (und das fast immer, bevor man die Toilette erreicht hat). Schuld daran ist eine Überaktivität oder Überempfindlichkeit der Harnblase, was durch Defekte in der „Schaltzentrale Gehirn“ ausgelöst wird. Zusätzlich verschlimmern andere Faktoren wie eine vergrößerte Prostata, wiederholte Blasenentzündungen oder ein Hormonmangel die Situation.

Auch Überlaufinkontinenz oder Reflexinkontinenz können vermehrt auftreten

In Alten- und Pflegeheimen leiden Betroffene häufiger an einer Überlaufinkontinenz, welche infolge einer Blasenmuskelschwäche und/oder einer Abflussbehinderung entsteht (siehe auch Harninkontinenz bei Männern). Ältere Menschen können aber auch eine Reflexinkontinenz bekommen. Wie der Name schon verrät, erfolgt bei dieser Blasenschwäche die Entleerung ausschließlich als Reflex. Der Blasenmuskel zieht sich reflektorisch zusammen (z. B. durch einen zufälligen Reiz wie Husten oder Lageveränderung) und die Blase wird entleert. Ursachen können unterbrochene Nervenbahnen zwischen Gehirn und Blase sein, oder neurologische Erkrankungen wie z. B. Alzheimer, Parkinson oder ein Schlaganfall.

Ursachen einer altersbedingten Harninkontinenz

Schwäche des Blasenschließmuskels - Muskeln des Harntrakts verlieren an Elastizität

Mit zunehmendem Alter fällt es immer schwerer, die Blase vollständig zu entleeren, da die Muskeln des unteren Harntrakts an Elastizität verlieren. Aufgrund dessen bleibt häufig Restharn zurück, der zu einer Überlaufinkontinenz führen kann. Zudem begünstigt dieser das Ansiedeln von Bakterien, die für das Auslösen von Infektionen verantwortlich sind. Häufig sind Blase und Harnröhre im Alter nicht mehr so sensibel, so dass die erkrankte Person Urin verliert, ohne dies wahrzunehmen.

Schwacher Urinstrahl deutet auf eine Blasenschließmuskelschwäche hin
Ist der Schließmuskel der Blase geschwächt, wird dies durch einen schwachen Urinstrahl beim Wasserlassen deutlich. Häufig muss der Betroffene die Bauchmuskulatur beanspruchen, um die Blase überhaupt vollständig entleeren zu können. Außerdem entsteht teilweise das Gefühl, dass sich noch Restharn in der Blase befindet, bis das Gefühl für die Blasenfüllung schließlich ganz verloren geht.

Abnutzungserscheinungen der Blase - Blase fasst weniger Urinvolumen

Eine weitere Ursache für das Auftreten einer Inkontinenz sind Abnutzungserscheinungen der Blase, die im Alter entstehen. Die Blase fasst beispielsweise nicht mehr das Urinvolumen wie ursprünglich, so dass ein vermehrter Harndrang die Folge ist. Meist geht diese Erscheinung auch mit der Häufung nächtlicher Toilettengänge einher.

Rückgang des Nervengewebes - Das Gehirn kann den Harndrang nicht mehr zurückhalten

Für die Regulation der Blasenentleerung ist das Miktionszentrum verantwortlich. Dieses wird vom Großhirn beeinflusst - so wird beispielsweise durch das Gehirn der Urin bei auftretendem Harndrang zurückgehalten, wenn gerade keine Toilette vor Ort ist. Beim Rückgang von Hirn- sowie Nervengewebe besteht keine ausreichende Kontrolle mehr vom Gehirn über das Miktionszentrum. Folglich kann das Gehirn den Harndrang nicht mehr vollständig zurückhalten, was zunächst mit einem stärker werden des Harndrangs verbunden ist und schließlich zum unwillkürlichen Urinabgang führt.

Neurogene Blase bei Alzheimer, Parkinson oder Schlaganfall

Insgesamt spricht man in diesem Zusammenhang auch von einer neurogenen Blase, da diese Störung durch einen Nerv verursacht wird. Aufgrund dessen gehen neurologische Erkrankungen wie Alzheimer, ein Schlaganfall oder Parkinson, die Zerstörungen des Hirngewebes verursachen, oft mit Auswirkungen auf die Blasenfunktion einher. Dies kann wiederum eine Harninkontinenz verursachen.

Zuckerkrankheit ruft Nervenstörungen hervor

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselkrankheit, die häufig im höheren Alter auftritt. Dabei können einige Nerven nicht mehr ausreichend versorgt werden, was mit einer mangelnden Durchblutung zusammenhängt und folglich Nervenstörungen verursachen kann. Diese Störungen können auch Einfluss auf die Blasenfunktion haben und damit verbunden auch zu Inkontinenz führen.

Östrogenmangel nach den Wechseljahren

Nach den Wechseljahren verändert sich der Organismus der Frau. Dieser produziert nämlich während der Menopause immer weniger Östrogen, bis sich die Östrogenherstellung nach den Wechseljahren schließlich ganz einstellt. Häufig kann dieser Östrogenmangel das seelische Wohlbefinden aus dem Gleichgewicht bringen und somit eine Reizblase (Dranginkontinenz) entwickeln. Aufgrund dieses Östrogenmangels bilden sich auch die Schleimhäute von Harnröhre, Blase und Scheide zurück. Dadurch kann es in Situationen, bei denen zum Beispiel durch Niesen, Lachen oder Husten der Bauchhöhleninnendruck erhöht wird, zum unwillkürlichen Harnabgang kommen.

Medikamente wie harntreibende Präparate, Psychopharmaka oder blutdrucksenkende Arzneimittel

Mit zunehmendem Alter steigt häufig auch die Anzahl der einzunehmenden Medikamente. Besonders blutdrucksenkende Arzneimittel, harntreibende Präparate oder Psychopharmaka begünstigen eine Blasenschwäche. Diese haben Einfluss auch die Kraft des Blasenmuskels und beeinträchtigen zudem das Gefühl, wann die Blase gefüllt ist.

Harnwegsinfekte - Starke Blasenreizung führt zum Harnabgang

Eine Harninkontinenz kann auch aufgrund einer Harnwegsinfektion entstehen, wofür Menschen in höherem Alter meist anfälliger sind. Blasenentzündungen gehen teilweise mit einer so starken Reizung der Blase einher, dass diese den Urin nicht mehr halten kann. Im Vergleich zu jüngeren Personen haben ältere Menschen bei einer starken Blasenreizung größere Schwierigkeiten, diese zu kontrollieren und den Harn zu halten.

Harnwegsinfekte durch körperliche Störungen wie Prostatavergrößerung
Harnwegsinfektionen können jedoch auch aufgrund körperlicher Störungen entstehen. So kommt es, dass zum Beispiel Männer mit einer Prostatavergrößerung, bei denen Restharn in der Blase verbleibt, häufig an Infektionen der Harnwege leiden. Dieser Restharn begünstigt nämlich die Entstehung von Bakterien, die sich zudem noch ungestört vermehren können und eine ideale Lebensgrundlage vorfinden. Die Rezeptoren in der Blasenwand werden dadurch gereizt und angeregt, so dass es zu einem verstärkten Harndrang kommt. Allerdings verursachen die Bakterien nicht nur Inkontinenz, sondern können bei Nichtbehandlung auch bis in die Nieren gelangen und dort schwerwiegende Erkrankungen hervorrufen. 

Als Folge von Operationen oder Unfällen

Nach Operationen oder speziellen operativen Eingriffen kann es sowohl bei Männern als auch bei Frauen zur Bildung von Fistelgängen kommen. Diese Fistelgänge stellen Verbindungen zwischen Harnröhre und Scheide (Frau) bzw. Mastdarm (Mann) dar. Durch diese gelangt Urin in die Scheide oder den Mastdarm, was zu einem Harnaustritt aus diesen Organen führt.

Neurologischen Erkrankungen & Krankheiten des Rückenmarks

Neurologische Erkrankungen, Erkrankungen des Rückenmarks sowie Multiple Sklerose oder Tumore haben einen Einfluss auf die Blasentätigkeit. Diese Erkrankungen nehmen meist im höheren Alter zu.

Behandlungsmöglichkeiten

Kontinenztraining und Anlegen eines Miktionsprotokolls - Blasentagebuch

Bei einer Harninkontinenz kann das Führen eines Miktionsprotokolls hilfreich sein. Hierbei handelt es sich um eine Art Blasentagebuch, mit dem festgehalten wird, in welchen Zeitabständen der Erkrankte die Blase entleeren muss. Dadurch erhält der Betroffene einen genauen Überblick und kann vor der eigentlichen Zeit die Toilette aufsuchen und das Einnässen verhindern. Sind die Intervalle zwischen denen die Blase entleert werden muss sehr kurz, sollten diese durch eine langsame Steigerung verlängert werden.

Wecker stellen, um nächtliches Einnässen zu vermeiden
Bei Pflegebedürftigen muss der entsprechende Betreuer das Anlegen und Führen des Miktionsprotokolls übernehmen, um so das Einnässen zu protokollieren und mit dem rechtzeitigen Gang zur Toilette Abhilfe zu schaffen. Um ein nächtliches Einnässen zu verhindern, empfiehlt sich ein Wecker, um an die Entleerung der Blase zu erinnern.

Inkontinenz-Hilfsmittel benutzen - Inkontinenz-Vorlagen & Windelhöschen

Je nach Schweregrad der Inkontinenz sind diverse Inkontinenz-Hilfsmittel erhältlich. So können beispielsweise bei einer leichten Blasenschwäche Slipeinlagen verwendet werden, bei stärkerer Inkontinenz auch spezielle Inkontinenz-Vorlagen. Diese werden in die Unterwäsche integriert und saugen dort den Urin auf. Zudem sind in den Artikeln Geruchsbinder enthalten, um unangenehme Gerüche zu vermeiden. Außerdem gibt es für Männer spezielle Kondomurinale, die eine leichte und einfache Handhabung aufweisen. Diese werden wie ein gewöhnliches Kondom angewendet, sind jedoch zusätzlich mit einem Schlauch ausgestattet, um den Urin in den dafür vorgesehenen Auffangbeutel zu leiten. Bei bettlägerigen Menschen empfehlen sich Windelhosen, die vor allem bei schwereren Inkontinenz-Fällen angewendet werden.

Für ein kontinenzfreundliches Umfeld sorgen - Schnell erreichbare Toilette

Betroffene, die an einer Inkontinenz erkrankt sind, sollten in einem kontinenzfreundlichen Umfeld leben. Dies umfasst eine schnell erreichbare Toilette oder ein Toilettenstuhl. Ergänzend dazu helfen auch Inkontinenz-Hilfsmittel wie Vorlagen, Slips oder Windelhosen dabei, die Blase erfolgreich zu trainieren und zu einer Verbesserung der Gesamtsituation beizutragen.

Medikamente zur Unterstützung - Um die Blase zu beruhigen

Medikamente können bei einem häufigen und starken Harndrang, der mit kurzen Zeitabständen einhergeht, eingesetzt werden, um die Blase zu beruhigen.

Erfolgschancen - Das Ausmaß der Blasenschwäche kann eingedämmt werden

Mit Hilfe von aktiven Therapiemaßnahmen können einige Fälle der Inkontinenz erfolgreich behandelt werden. In weiteren Fällen kann zumindest das Ausmaß der Blasenschwäche eingedämmt werden, um für den Betroffenen einen möglichst normalen Alltag zu schaffen. Menschen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt oder gar bettlägerig sind, kann meistens nur mit speziellen Inkontinenzmitteln geholfen werden. Allerdings sollten sich auch ältere Menschen nicht davor scheuen, einen Arzt aufzusuchen und diesen um Rat zu bitten, denn er kann hilfreiche Tipps zur Alltagsgestaltung geben und mögliche Behandlungsmethoden einleiten.

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