In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:
- Kinder verbringen täglich neun Stunden im Sitzen
- Ursachen
- Folgen
- Haltungsschäden vorbeugen
Kinder verbringen durchschnittlich neun Stunden am Tag im Sitzen
Früher waren Bewegung, Herumtollen im Freien und das Austesten der eigenen körperlichen Fähigkeiten selbstverständlich. Heute wird die motorische Entwicklung vieler Kinder durch die Erwachsenenwelt beeinträchtigt. Sie verbringen durchschnittlich neun Stunden am Tag im Sitzen, deutlich mehr als noch vor 20 Jahren.
Ursachen - Bewegungsmangel, Schwere Schulranzen & Übergewicht
Bewegungsmangel durch Fernseher, Computern & Spielkonsolen
Die häufigste Ursache für diesen zunehmenden Bewegungsmangel ist die moderne Technik, die es den Kindern ermöglicht, einen Großteil ihrer Zeit nahezu bewegungslos vor Fernseher, Computern oder Spielkonsolen zu verbringen. Außerdem werden Schulwege bevorzugt mit dem Auto oder Bus zurückgelegt, statt zu Fuß, wodurch der Bewegungsmangel zusätzlich gefördert wird. Auch das lange Sitzen in der Schule und zu Hause, mit falsch eingestellten Sitz- und Schreibtischmöbeln, trägt zu Haltungsschäden bei.
Zu schwerer Schulranzen
Ein weiterer Auslöser für Haltungsschwächen und Rückenschmerzen bei Kindern, kann ein zu schwerer Schulranzen sein. Häufig äußert sich das nicht nur durch Schmerzen, sondern durch eine schlaffe Körperhaltung und der Neigung zu einem Rund- bzw. Hohlrücken, wenn dieser belastet wird. Ein zu schwerer Ranzen schädigt aber nicht nur die wachsende Wirbelsäule, sondern kann auch die Atmung beeinträchtigen.
Übergewicht und zunehmende Fettleibigkeit
Eine große Rolle bei der Entstehung von Haltungsschäden spielt zudem die bereits im Kindesalter zunehmende Fettleibigkeit (Adipositas). In Deutschland ist inzwischen jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche übergewichtig. Vier Prozent der 5- bis 7-jährigen und acht Prozent der 10- bis 14-Jährigen sind sogar adipös, also krankhaft übergewichtig.
Folgen - Haltungsschäden wie Rundrücken, Hohlrücken & verkrümmte Muskulatur
Rundrücken
Zu den häufigsten Haltungsschäden bei Kindern gehört der so genannte Rundrücken. Dabei weist das Kind einen nach vorn übergeneigten Oberkörper sowie nach vorn hängende Schultern auf. Da die Rückenmuskulatur zu schwach ist, kann sie den Oberkörper nicht aufrecht halten. Daraus können dann Folgen entstehen, wie eine Einengung des Brustkorbs oder ein vorzeitiger Verschleiß der Wirbelsäule im Brustbereich.
Hohlrücken
Bei vielen Kindern ist auch ein so genannter Hohlrücken zu beobachten. Bei diesem Haltungsschaden hat das Kind im Stehen einen auffallend vorgewölbten Bauch und gleichzeitig ein Hohlkreuz. Die Bauch- und Gesäßmuskeln sind dann zu wenig ausgebildet, so dass sich das Becken dadurch nicht korrekt aufrichten kann. Dadurch kann es zu einem vorzeitigen Wirbelsäulenverschleiß im Lendenbereich kommen. Allerdings gilt erst ab dem 7. Lebensjahr ein Hohlrücken als Auffälligkeit. Vorher gehört diese Körperhaltung zur normalen Entwicklung des Kindes.
Schwächung und Verkümmerung der Muskulatur
Als weitere Folge kann es zu einer Schwächung und Verkümmerung der Muskulatur kommen, so dass ihre stützende und stabilisierende Funktion auf die Wirbelsäule, das Fußskelett und die gesamte Haltung nicht mehr genügend gewährleistet ist. Zudem ist es möglich, dass das Knochensystem geschwächt wird und dadurch bedingte Überlastungsschäden auftreten.
Haltungsschäden vorbeugen
Viel Bewegung
Regelmäßiges Toben auf dem Spielplatz oder auch Sport, sind für die Bewegungsentwicklung des Kindes enorm wichtig. Besonders entscheidend sind die ersten zehn Lebensjahre. Deshalb sollten Eltern bereits im Kleinkindalter darauf achten, dass ihr Kind nicht in seinem natürlichen Bewegungsdrang gebremst wird.
Die richtige Wahl des Schulranzens
Der Rücken des Kindes darf nicht durch zu schwere Schulranzen übermäßig belastet werden. Denn die Knochen sind vor allem im Grundschulalter noch weich und (ver-) formbar und deshalb besonders anfällig. Außerdem besitzen Grundschulkinder entwicklungsbedingt noch nicht die Muskulatur wie ältere Schüler. Aus diesem Grund darf der Schulranzen (vor allem bei Grundschülern) nicht mehr als 10 bis 12 Prozent des Körpergewichtes (keinesfalls aber mehr als 15 Prozent) betragen. Zudem sollte der Ranzen stets auf beiden Schultern getragen werden, wobei beide Riemen straff gezogen sind. Schwere Gegenstände sind möglichst rückennah im Schulranzen zu verstauen. Der Ranzen liegt an beiden Schulterblättern an, die Oberkante verläuft waagerecht und befindet sich auf Höhe der Schultern.
Kriterien eines optimalen Schulranzens:
- perfekter Sitz
- ergonomisch geformte Rückenpolsterung
- Stabilität
- ergonomisch geformte & gepolsterte Gurte
Eine korrekte Sitzhaltung an verstellbaren Schreibtischmöbeln
Nicht nur für Kinder sondern auch für Erwachsene gilt: Aktiv-dynamisches Sitzen erhöht die Konzentrationsfähigkeit und entlastet den Rücken. Ausschlaggebend ist dabei die richtige Haltung. Die Oberschenkel sollten leicht nach unten weisen und die Füße hüftbreit auf dem Boden stehen. Die Unterarme müssen bequem aufliegen können. Zudem sollten kleine Bewegungsänderungen beim Sitzen jeder Zeit möglich sein. Denn immer mal wieder Recken und Strecken oder zwischendurch aufstehen, trainiert die Muskulatur und entlastet die Bandscheiben.
Schreibtischmöbel müssen optimal auf das Kind abgestimmt sein
Eine außerordentlich wichtige Rolle spielen aber auch die Schreibtischmöbel. So muss der Sitz, Tisch und Blickwinkel für das Kind in jedem Alter optimal aufeinander abgestimmt werden können. Im Laufe des Wachstums müssen die verschiedenen Komponenten ständig angepasst werden, weshalb die Schreibtischmöbel folgende Merkmale aufweisen sollten:
- Stufenlos höhenverstellbarer Tisch und Stuhl
- Die Tischplatte besitzt eine waagerechte Ablagefläche und ist mindestens um 16° - besser 20° - zu neigen. (Dadurch wird die Nackenmuskulatur entlastet und Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich vermieden.)
- Die Sitzfläche fördert das dynamische Sitzen, indem sie nach vorn und hinten beweglich ist (ca. 7°).
- Die Rückenlehne stützt den Rücken bis unterhalb der Schulterblätter ab.
- Die Stuhlhöhe ist so anzupassen, dass die Füße in der hinteren Sitzhaltung mit der ganzen Sohle auf den Boden stehen. Dabei darf die Kniekehle die Vorderkante der Sitzfläche nicht berühren. Außerdem wird ein Sitzwinkel von ca. 100° zwischen Oberkörper und Rumpf empfohlen.
- Die richtige Tischhöhe ist erreicht, wenn sich die Ellenbogenspitzen beim aufrechten Sitz mit hängenden Armen, ca. 2 bis 3 cm unter der Tischplattenhöhe befinden. Voraussetzung ist dafür jedoch eine korrekt angepasste Sitzhöhe.
Optimaler Bildschirmarbeitsplatz
Da heutzutage häufig schon Grundschulkinder an Computern arbeiten, ist es wichtig, rechtszeitig auf eine optimale Bildschirmausrichtung zu achten, um so Haltungsschäden zu vermeiden.
Hinweise für einen optimalen Bildschirmarbeitsplatz:
- Der Bildschirmabstand vom Auge sollte zwischen 40 und 50 cm betragen.
- Im optimalen Sehbereich befindet sich der Bildschirm, wenn der Kopf leicht nach vorn unten geneigt ist. So dass der horizontale Blick eine Linie mit der Bildschirmoberkante bildet.
- Der Bildschirm sollte so platziert sein, dass der Kopf nicht ständig zur Seite gedreht werden muss.
- Außerdem ist eine Blendung durch Tageslicht oder künstliche Beleuchtung auf dem Bildschirm zu vermieden.