In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:
- Was ist eine Gallenkolik?
- Risikogruppen
- Auslöser
- Symptome
- Diagnose
- Behandlungsmethoden
- Vorbeugen
Gallenkolik - Krampfbewegungen der Muskulatur
Als Koliken werden im Allgemeinen äußerst starke, wehenartige Schmerzen bezeichnet, die durch Krampfbewegungen der Muskulatur ausgelöst werden. Koliken können in allen Hohlorganen auftreten, so auch in der Gallenblase. Die Gallenkolik ist besonders schmerzhaft und breitet sich wellenförmig im oberen Bauchraum aus. Nicht selten erleben Betroffene die ausstrahlenden Schmerzen als eine Art engen, drückenden Gürtel im Bereich des Oberbauchs und des oberen Rückens. Eine Gallenkolik entsteht, wenn sich die glatte, äußere Muskulatur der Gallenblase verkrampft. Als Auslöser kommen Gallensteine, Gallenblasenentzündungen, aber auch fettreiche Mahlzeiten infrage.
Gallenkolik ist ein Symptom anderer Erkrankungen
Die Gallenkolik ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom einer anderen Erkrankung. Meist liegen Gallensteine zugrunde, die den Gallengang verstopfen und somit den Rückstau der Gallenflüssigkeit erzwingen. Die Gallenkolik kann auch noch einige Tage nach Abklingen der wehenartigen Schmerzen ein dumpfes und schmerzendes Druckgefühl im rechten Oberbauch hinterlassen.
Frauen sind besonders gefährdet
Die Gallenkolik ist eine typische Frauenkrankheit. Zwar leiden auch Männer unter kolikartigen Schmerzen, jedoch sind mehr als zwei Drittel aller Betroffenen weiblichen Geschlechts. Besonders risikobehaftet sind Personen, die weiblich, übergewichtig und über 40 Jahre alt sind. Darüber hinaus steigt das Risiko für Frauen, die bereits Kinder haben. Und auch besonders helle Hauttypen neigen eher zu Gallenkoliken sowie zu Gallensteinen. Hierzulande erleiden jährlich etwa 15 bis 20 Prozent aller Frauen und nur fünf bis sieben Prozent aller Männer eine Gallenkolik, meist basierend auf Gallensteinen. Eine Gallenkolik kann dabei zwischen 15 Minuten und ganzen fünf Stunden andauern.
Auslöser - Gallensteine sind die häufigste Ursache einer Gallenkolik
Der wohl häufigste Auslöser der Gallenkolik ist der Gallenstein. Ein Großteil aller Menschen trägt Gallensteine in der Gallenblase, die jedoch in drei Viertel aller Fälle keine Beschwerden auslösen. Gallensteine, auch Konkremente genannt, sind teils winzige Ablagerungen in Form kleiner Steinchen, die sich in der Gallenblase befinden und wandern können. Beim Wandern bleiben die kristallinen und festen Steine in etwa 25 Prozent aller Fälle im Gallengang, dem Übergang zwischen Gallenblase und Dünndarm, stecken. Dort versperren sie den Weg für die Gallenflüssigkeit, die in der Gallenblase gebildet wird. Die Flüssigkeit sammelt sich im verschlossenen Gang an, staut zurück in die Gallenblase und löst aufgrund ihres Säuregehaltes und ihrer zersetzenden Wirkung die Gallenkolik aus.
Fettreiche Speisen verursachen die vermehrte Produktion von Gallenflüssigkeit
Kleinere Gallensteine, welche die Gallengänge passieren und den Dünndarm erreichen können, verursachen hingegen keine Beschwerden und werden mit ausgeschieden. Einzelne Gallensteine in der Gallenblase bedeuten darüber hinaus nicht, dass es zwangsläufig zu einer Wanderung derselben kommt. In der Regel bewegen sich die Gallensteine nicht. Auslöser für das Wandern der Gallensteine sind meist zu fette und vor allem zu üppige Mahlzeiten. Um fettes Essen zu verdauen, produziert die Gallenblase deutlich mehr Galle. Die überproduzierte Flüssigkeit macht sich auf den Weg in die Gallengänge, um den Dünndarm zu erreichen. Dabei können vorhandene Gallensteine mit ausgeschwemmt werden.
Weitere Auslöser - Leberinfektionen, Funktionsstörungen der Galle
In wenigen Fällen wird eine Gallenkolik auch durch andere Auslöser verursacht, wie:
- eine verschleppte Leberinfektionen wie Hepatitis
- eine Leberzirrhose
- Funktionsstörungen der Galle (wie eine Überproduktion des Gallensekrets)
- künstliche Ernährung über eine Magensonde
- Tumor in der Gallenblase
Typisches Symptom: Heftige, wehenartige Schmerzen im rechten Oberbauch
Eine Gallenkolik zeigt sich in der Regel durch plötzlich einsetzende, heftige, wehenartige Schmerzen im rechten Oberbauch. Nur selten entwickelt sich eine Gallenkolik langsam und unspezifisch, vom Völlegefühl über Druck im Oberbauch bis hin zur Kolik. Darüber hinaus kann es passieren, dass der Schmerz auch in der rechten Schulter und im Rücken wahrgenommen wird, nicht selten ist er dabei atmungsabhängig.
Begleitet wird die Kolik von Übelkeit, Erbrechen & Blutdruckanstieg
Im weiteren Verlauf breiten sich die enormen Schmerzen gürtelartig um den Oberkörper aus, strahlen durch den gesamten Oberbauch bis in den Rücken. In diesem Stadium wird die Gallenkolik oft von
- Übelkeit,
- Erbrechen,
- Schweißausbrüchen,
- Blutdruckanstieg und eine
- Beschleunigung des Herzschlags begleitet.
Auch Blähungen und Verstopfungen können auftreten
Je nach Schmerzintensität und Schmerzwahrnehmung sowie Dauer der Gallenkolik kann ein Kreislaufkollaps die Folge sein. Vielmals wird eine Gallenkolik auch durch Blähungen und Verstopfungen begleitet, der Bauch der Betroffenen bläht sich rund und hart auf, oftmals gehen jedoch keine Winde ab. Dazu kommt ein häufiges Aufstoßen, teils auch mit Magensäure. Trotz der heftigen Schmerzen verspüren Betroffene während der Kolik häufig den Drang, sich zu bewegen. Das ist auch gut so, denn Bewegung kann helfen, die verklemmten Gallensteine abzutransportieren. Körperliche Ruhe und Schonhaltung können den Schmerz hingegen verschlimmern oder verlängern.
Gelbsucht als spätes Symptom
Ein weiteres Symptom einer Gallenkolik, welches jedoch erst recht spät auftritt, ist der Ikterus. Der sogenannte Verschlussikterus beschreibt eine Gelbfärbung der Haut und der Augäpfel - die Gelbsucht. Der Ikterus entsteht durch den Verschluss des Gallen-Zwölffingerdarm-Gangs durch einen Gallenstein. Durch den Rückstau der Galle kommt es zur Gelbfärbung der Haut. Dieser Ikterus entsteht meist dann, wenn die Gallenblase bereits entzündet ist oder der Gangverschluss schon längere Zeit besteht. Einem Ikterus folgen außerdem oftmals die Braunfärbung des Urins und die Entfärbung des Stuhls. Infolge einer andauernden Verstopfung der ableitenden Gallengänge entwickelt sich meist eine Gallenblasenentzündung.
Diagnose - Anamnese des Betroffenen & Bluttest geben eindeutiges Ergebnis
Die Gallenkolik zeichnet meist ein sehr deutliches Bild, sodass sich die Diagnostik unkompliziert gestaltet. Allein anhand der Anamnese des Patienten und des beschriebenen Beschwerdebildes lässt sich meist die Gallenkolik ableiten. Ergänzend erfolgt eine Blutuntersuchung. Üblicherweise finden sich bei Gallenkoliken durch Gallengangsverschlüsse erhöhte Werte des c-reaktiven Proteins sowie eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit und zu viele weiße Blutkörperchen. Auch andere Blutwerte können auf entzündliche Vorgänge im Körper hinweisen.
Tastbefund & Ultraschall rundet die Diagnose ab
Auch der Tastbefund ist meist eindeutig. Zum einen verursacht dem Betroffenen das Abtasten des rechten Oberbauchs erhebliche Schmerzen, zum anderen kann der Arzt die gestaute, vergrößerte Gallenblase mitunter schon von außen ertasten. Eine Ultraschalluntersuchung rundet die Diagnostik schließlich ab. In der Sonografie lassen sich eventuelle Gallensteine oder andere Veränderungen der Gallenblase bildhaft darstellen.
Behandlungsmethoden - operativ oder medikamentös
Die Behandlung der Kolik richtet sich immer nach dem Auslöser derselben. Aus diesem Grund gehört die Therapie der Gallenkolik immer in die Hände eines Arztes.
Operative Verfahren - Entfernung des gesamten Gallenblase
Oftmals ist die Entfernung der gesamten Gallenblase das Mittel der Wahl. Die sogenannte Cholezystektomie gehört zu den Routineeingriffen. Unter Vollnarkose wird dem Patienten die Gallenblase entfernt, dass erfolgt meist über das sogenannte Schlüssellochverfahren, also ohne große Hautschnitte. Nur in seltenen Fällen muss die Gallenblase noch über die Eröffnung des Bauches entfernt werden, beispielsweise dann, wenn zu viel Fettgewebe im Bauchraum angesammelt ist, welches das Vordringen zur Gallenblase durch das Endoskop verhindern würde. Die Entfernung der Gallenblase kommt insbesondere bei schweren Entzündungen infrage.
Steinentfernung mittels ERCP
Handelt es sich lediglich um einen großen, eingeklemmten Gallenstein in einem der Gallengänge und ist die Gallenblase sonst intakt, kommt ebenso eine Steinentfernung mittels ERCP in Betracht. Die ERCP, endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikografie, ist ein Spiegelungsverfahren, welches nicht unter Vollnarkose durchgeführt werden muss. Nach der Gabe von Beruhigungsmitteln führt der Arzt einen Schlauch über den Mund des Patienten bis in den Magen-Darm-Trakt ein. Dabei passiert er die Hauptgallengänge und kann die eingeklemmten Steine mit einem winzigen, medizinischen Körbchen entfernen.
Gleichzeitige Aufspaltung des Hauptgallengangs weitet langfristig den Gallengang
In einigen Fällen erfolgt gleichzeitig eine Papillotomie, eine chirurgische Aufspaltung des Hauptgallenganges mittels Skalpell. Ziel dieser Therapie ist es, den Gallengang langfristig zu weiten, sodass eventuelle weitere Gallensteine ihren Weg aus der Gallenblase ungehindert in den Darm finden können, ohne dass eine erneute Kolik entsteht.
Medikamentöse Behandlung - krampflösend & schmerzstillend
Muss die Gallenblase nicht operativ entfernt werden, kann die Behandlung der Kolik medikamentös erfolgen. Hierzu muss der Betroffene einige Stunden oder auch einige Tage im Krankenhaus bleiben, wo er in der Regel ein krampflösendes und schmerzstillendes Medikament intravenös verabreicht bekommt. Darüber hinaus erfolgen regelmäßige Blutuntersuchungen, um das Entzündungsgeschehen im Körper zu überprüfen. Ist ein eingeklemmter Gallenstein die Ursache der Kolik, kann der Stein nach der Schmerzbehandlung den Gallengang oftmals passieren und in den Dünndarm abwandern. Zur Entlassung bekommen Betroffene meist eine spezielle Diät verordnet, die hauptsächlich aus fettarmem Essen und kleinen Mahlzeiten besteht.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten nur nutzen, wenn keine Gallensteine dahinter stecken
Grundsätzlich ist es nicht ratsam, eine Gallenkolik eigenständig zu behandeln. Zwar klingen die Schmerzen nach spätestens einigen Stunden auch von allein wieder ab, jedoch ist es wichtig, die genaue Ursache der Kolik zu kennen. Ein Steinleiden lässt sich nicht selbst behandeln. Eine mildere Kolik infolge eines fetten oder üppigen Essens muss hingegen nicht unbedingt ärztlich behandelt werden, sofern klar ist, dass keine Gallensteine vorliegen.
Wärmflasche, Fenchel-, Kümmel- oder Gänsefingerkrauttee
Im Falle einer leichten Kolik kann es ausreichend sein, den rechten Oberbauch mit einer Wärmflasche zu wärmen, da Hitze krampflösend wirkt. Betroffene sollten Ruhe- und Bewegungsphasen möglichst dabei immer wieder abwechseln. Solange die koilkartigen Schmerzen noch anhalten, sollte auf jegliche Nahrung sowie auf gesüßte Getränke verzichtet werden, da sich die Kolik andernfalls verschlimmern könnte. Stattdessen können Betroffene ungesüßten Fenchel-, Kümmel- oder Gänsefingerkrauttee trinken, diese Teesorten entkrampfen die Gallenblase und regulieren die Galleproduktion.
Gallenkolik vorbeugen durch Beseitigen der Risikofaktoren
Zwar lässt sich eine Gallenkolik nie ganz ausschließen, jedoch besteht die Möglichkeit, effektiv vorzubeugen. Allein durch das Eliminieren der Risikofaktoren reduziert sich das Risiko, an einem Gallenleiden zu erkranken, um rund 40 Prozent. Zur Prävention gehören neben
- der Reduzierung eventuellen Übergewichts auch
- die Ernährungsumstellung auf fettarmes Essen,
- ausreichend Bewegung und
- regelmäßige Untersuchungen, sofern bereits Beschwerden im Bereich der Gallenblase aufgetreten sind.