In diesem Artikel erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:
- Was ist eine Retinopathie?
- Auslöser einer Retinopathie
- Arten von Augenerkrankungen bei Diabetes
- Statistisches Risiko für Augenschäden bei Diabetikern
- Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt
- Behandlung & Vorbeugung
Retinopathie - Anatomische Veränderungen (Schäden) der Netzhaut
Die meisten Erblindungen werden in Deutschland durch den Diabetes mellitus herbeigeführt. Sehstörungen, welche im Zusammenhang mit einer Diabeteserkrankung auftreten, werden durch anatomische Veränderungen der Netzhaut (Retinopathie) und des „gelben Flecks" (Makulopathie) ausgelöst. Dabei wird zwischen einer nichtproliferativen Retinopathie und einer proliferativen Retinopathie unterschieden:
Nichtproliferative Retinopathie - Aussackungen an den Blutgefäßen der Netzhaut
Die nichtproliferative Retinopathie verursacht Kaliberschwankungen und kleine Aussackungen an den bereits vorhandenen Blutgefäßen der Netzhaut.
Proliferative Retionopathie - Geschädigte oder missgebildete Blutgefäße
Bei der proliferativen Retionopathie entwickeln sich darüber hinaus neue, teilweise geschädigte oder missgebildete Blutgefäße. Diese können platzen, was zu Blutungen innerhalb der Netzhaut führt. Das hat zur Folge, dass sich die Netzhaut vom umgebenen Gewebe ablöst. Damit verbunden ist eine Verschlechterung des Sehvermögens.
Makulopathie - Schädigung des „gelben Flecks“ durch Wassereinlagerungen oder Blutungen
Der „gelbe Fleck“ (der Punkt des schärfsten Sehens) ist ein Bereich auf der Netzhaut, an dem die Sinneszellen für das Sehen sehr nah zusammen liegen. Bei der Makulopathie wird der gelbe Fleck durch Wassereinlagerungen oder Blutungen geschädigt. Dadurch kommt es zu einem unerwarteten Verlust der Sehschärfe. Der Hauptgrund für Sehstörungen sind Fettablagerungen und eine Makulaschwellung am Punkt des schärfsten Sehens.
Auslöser einer Retinopathie - Erhöhte Blutzucker- & Blutdruckwerte
Der gemeinsame auslösende Faktor einer Retinopathie ist die
- kontinuierliche Erhöhung der Blutzuckerwerte, die zu Veränderungen an der Netzhaut des Auges führen.
- Darüber hinaus sind permanent erhöhte Blutdruckwerte und
- hormonelle Veränderungen ebenfalls für das Auftreten von Netzhautschäden verantwortlich.
- Dabei bilden sich Ablagerungen (aus Zucker, Eiweiße, Fette) an den Blutgefäßwänden. Die Ablagerungen reduzieren den Durchmesser der Gefäße, was zu Gefäßaussackungen und zu einem Einreißen der Blutgefäße führen kann.
- In einem weiteren Stadium der Erkrankung kann es zu einem völligen Verschluss der Blutgefäße kommen, wodurch die Durchblutung in diesem Gebiet unterbrochen wird.
- Dadurch entstehen Mikroinfarkte und Blutungen an der Netzhaut. Die Wiederum zu deren Ablösung von der Adernhaut führen.
Arten von Augenerkrankungen bei Diabetes
Die Anzahl der Augenerkrankungen die im Zusammenhang mit dem Diabetes mellitus auftreten sind sehr umfangreich. So können neben der
- Retinopathie und
- Makulopathie auch
- Hautentzündungen an Ober- und Unterlid,
- Augendruckveränderungen,
- Linsentrübungen oder
- Beeinträchtigungen der Nerven am Auge auftreten.
25 Prozent höheres Risiko für Augenschäden bei Typ 1 Diabetiker
Schäden an der Netzhaut (Retinopathie) und des gelben Flecks (Makulopathie) treten bei Menschen mit Diabetes vermehrt auf. Nach 5 jähriger Diabetesdauer tritt bei maximal 25 Prozent der Typ 1 Diabetiker eine Retinopathie auf. Nach weiteren 10 bis 15 Jahren erkranken bis zu 95 Prozent an einer Retinopathie. In mehr als 15 Prozent der Fälle leiden viele Typ 1 Diabetiker nach 15 jähriger Erkrankungsdauer an einer Makulopathie.
30 Prozent höheres Risiko für Augenschäden bei Typ 2 Diabetiker
Dagegen sind beim Typ 2 Diabetiker schon zum Zeitpunkt der Diagnosestellung in 30 Prozent der Fälle Veränderungen an der Netzhaut festzustellen. Inwieweit sich die Augenschäden fortsetzen, hängt von den Blutzucker- und Blutdruckwerten ab. Blutungen oder Wassereinlagerungen im Punkt des schärfsten Sehens (gelben Fleck) machen sich durch eine Verschlechterung der Sehschärfe bemerkbar. Statistisch gesehen, besteht bei einem Diabetiker im Vergleich zu einem gesunden Menschen ein bis zu 25-faches Risiko zu erblinden. Jedes Jahr erblinden in Deutschland circa 1.700 Diabetiker.
Regelmäßige Augenkontrollen zeigen schon zeitig Veränderungen der Blutgefäße an
Zunächst kommt es über einen längeren Zeitraum unbemerkt zu Veränderung an den Blutgefäßen der Netzhaut (Retinopathie), ohne dass eine Verschlechterung des Sehvermögens festgestellt wird. Die ersten Veränderungen an den Blutgefäßen sind schon relativ zeitig bei Untersuchungen des Augenhintergrundes erkennbar. Dadurch ist es möglich, bereits vor einer Verschlechterung des Sehvermögens, Schäden an den Blutgefäßen der Netzhaut und am Punkt des Schärfsten Sehens (Makula) zu diagnostizieren. Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt sollten unbedingt eingehalten werden, da das vollständige Sehvermögen nur in wenigen Fällen wieder hergestellt werden kann.
Behandlung & Vorbeugung - Senkung der Blutdruck- und Blutfettwerte
Wichtig für jeden Diabetiker ist eine ausgewogene, fettarme Ernährung und körperliche Bewegung. Dadurch kann das Körpergewicht reduziert sowie Blutdruck- und Blutfettwerte gesenkt werden. Auch der Verzicht auf Alkohol und Nikotin wirkt einer Entstehung von Augenschäden entgegen. Besonders wichtig für den Erhalt der Sehkraft ist eine gute Blutzuckereinstellung, die durch eine Diät und blutdrucksenkenden Tabletten bzw. Insulin erreicht werden kann. Um die Sehkraft und Lebensqualität des Diabetikers langfristig zu erhalten, sollte der HbA1c- Wert (Langzeit-Blutzucker) nach der modernen Diabetes mellitus Therapie nicht über 6,5 Prozent liegen.